| Die Motivation der Weißen Rose |
| Geschrieben von DUEDA | |
| Freitag, 24. März 2000 | |
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"Brave, herrliche junge Leute! Ihr seid nicht umsonst gestorben, sollt nicht vergessen sein!" Thomas Mann sollte Recht behalten, als er diese Worte am 27. Juli 1943 in einer Rundfunkansprache sagte. Die Mitglieder der "Weißen Rose" hatten den Schritt gewagt, den die restliche "deutsche Intelligenz" nicht gewagt hatte (Flugblatt II), sie hatten Widerstand geleistet gegen die nationalsozialistische Diktatur. Wie kam es, dass eine Gruppe junger Leute diesen Schritt gewagt hatten, den sie letztendlich mit ihrem Leben bezahlen mussten? Die Arbeit versucht sich dieser Frage mit einem biographischen Vergleich zu nähern. Die Motivation der Weißen Rose –ein biographischer Erklärungsversuch von Rüdiger Jörg 9. Fachsemester Hausarbeit zum Hauptseminar Probleme des Widerstandes im Dritten Reich (WS 99/00) bei Prof. Dr. Eike Wolgast 24.03.2000 2. Der Widerstand der Weißen Rose 7. Zusammenfassung und Schlussbemerkung 1. EinleitungDie Flugblätter der Weißen Rose sind heutzutage neben dem Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 das bekanntesten Beispiel für Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime. Auch schon in der zeitgenössische Bewertung sticht die Weiße Rose hervor. „Es handelt sich im vorliegenden Verfahren wohl um den schwersten Fall hochverräterischer Flugpropaganda, der sich während des Krieges im Altreich ereignet hat.“[1] Mit dieser Begründung lehnte der Oberreichsanwalt am Volksgerichtshof eine Begnadigung von Alexander Schmorell, Kurt Huber und Willi Graf ab. Sie wurden hingerichtet, wie schon zuvor die anderen Mitglieder der Weißen Rose, Hans und Sophie Scholl und Christoph Probst. Dies veranlasste Thomas Mann in seiner Rundfunkrede an die deutschen Zuhörer vom 27. Juli 1943 sie als „Brave, herrliche junge Leute!“[2] zu bezeichnen. „Ihr seid nicht umsonst gestorben, sollt nicht vergessen sein!“[3] fährt Mann fort und sollte Recht behalten. Wie umfangreich die Literatur zum Thema Weiße Rose ist, beweist die Bibliographie von Fleischhack[4], die für die Zeit danach von Kießener[5] ergänzt wurde. Der Schritt von der Systemkritik letztendlich zum aktiven Widerstand zeichnet die Weiße Rose aus. Eine Vielzahl von Beweggründen wurden dafür angeführt. Doch können diese erst richtig verstanden und deren Gewichtung beurteilt werden, wenn man den biographischen Hintergrund der Mitglieder betrachtet. Erst aus den Lebensläufen erschließt sich die Erklärung dafür, warum sich die Studenten im Gegensatz zu so vielen anderen gegen das System auflehnten. Dieser Aufgabe, die Motivation mit Hilfe des biographischen Hintergrundes zu erklären, stellt sich die vorliegende Arbeit. Dazu wird kurz eine Zusammenfassung der Ereignisse im Sommer 1942 und Winter 1942/43 gegeben, bevor die Biographien der sechs wichtigsten Mitglieder angeführt werden. Hier sei nur am Rande erwähnt, dass es einen weiteren Kreis um die Kerngruppe gab, deren zusätzliche Behandlung den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Die Biographien im einzelnen werden bis zum Zusammentreffen beim Studium in München behandelt. Dieser Münchner Zeit ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Es folgt ein Abschnitt über die Kriegserfahrungen. Daran schließt sich ein Kapitel über die Flugblätter der Weißen Rose an, die anhand des biographischen Vorwissens interpretiert werden sollen. Abschließend wird in einer Zusammenfassung versucht werden, den Zusammenhang zwischen Motivation und biographischem Hintergrund aufzuzeigen. Die biographische Einbettung der Widerstandshandlungen ist aufgrund der Edition der Tagebücher und Briefe der Geschwister Scholl und Willi Grafs möglich. Weiteren Aufschluss geben einige Brieffragmente Christoph Probsts und Alexander Schmorells. Ebenfalls von Bedeutung sind die Flugblätter der Weißen Rose. Als weitere Quellen dienen die Ermittlungs- und Prozessakten, von denen einige erst nach der deutschen Vereinigung zugänglich wurden.[6] Dies ist auch der Grund, warum es bis heute keine detaillierte wissenschaftliche Gesamtstudie dieser Widerstandsgruppe gibt.[7] 2. Der Widerstand der Weißen RoseEnde Juni 1942 tauchte in München das erste der „Flugblätter der Weißen Rose“ auf.[8] Es war laut Anklageschrift in zunächst unabhängigen Entwürfen von Alexander Schmorell und Hans Scholl verfasst worden, bevor es in einer gemeinsamen Arbeit endgültig entstand.[9] Von diesem Flugblatt stellten sie mit einem von Schmorell besorgten Vervielfältigungsgerät etwa hundert Exemplare her und verschickten sie „mit der Post an Bekannte und an Anschriften, die sie aus Fernsprech- und Adressbüchern herausgesucht hatten“.[10] Dabei handelte es sich in erster Linie um Professoren und Personen des öffentlichen Lebens sowie um Gastwirte, da diese die Flugblätter an eine möglichst große Anzahl von Personen, Freunde und Bekannte, weitergeben konnten.[11] Es folgten innerhalb weniger Tage drei weitere Flugblätter der Weißen Rose, die wiederum von Schmorell und Scholl verfasst, in kleinen Stückzahlen gedruckt und verschickt worden waren. Christiane Moll gibt aufgrund der Vernehmungsprotokolle von Hans Scholl den kurzen Zeitraum zwischen dem 27. Juni und dem 12. Juli 1942 für die Verbreitung der ersten vier Flugblätter an, ein Zeitraum also von nur 16 Tagen.[12] Adressaten waren wiederum Personen des öffentlichen Lebens, die in den Flugblättern als Mitglieder „der christlichen und abendländischen Kultur“ (I 37f.)[13] und als „deutsche Intelligenz“ (II 24) bezeichnet werden. Die Flugblätter wandten sich also vornehmlich an Akademiker und die bürgerliche Elite, denen Scholl politisches Versagen seit 1918 vorwarf.[14] Die stilistisch anspruchsvollen Texte konnten die breiten Bevölkerungsschichten nicht ansprechen. Der gesamte Stil der Flugblätter, die sich mit Zitaten von Aristoteles, Cicero, Schiller, Goethe, Laotse, Novalis u. a. schmückten, war auf das Bildungsbürgertum ausgerichtet. Diese sollten als Multiplikatoren den Flugblättern zu einer breiteren Verbreitung verhelfen. Sie sollten „Bekannte aus den unteren Volksschichten“ (III 101) überzeugen und, wie jedes Flugblatt mit den Worten endete, die „Blätter vervielfältigen und weitergeben“. In diesen Flugblättern wird von einer moralisch-ethischen Sicht aus argumentiert und versucht, den NS-Staat als Unrechtsstaat und damit als illegitim zu kennzeichnen. Die Erkenntnis des Unrechtsstaates ist Grundlage zum Widerstand, zu dem in den ersten zwei Flugblättern allgemein aufgerufen wird. Im dritten Flugblatt werden die Autoren konkreter, wenn sie zum „passiven Widerstand“ aufrufen. Dieser lässt sich am besten in einer Verweigerungshaltung durchsetzen. Konkret empfehlen die Autoren dabei „Sabotage in Rüstungs- und kriegswichtigen Betrieben, Sabotage in allen Versammlungen [...], die durch die nat. soz. Partei ins Leben gerufen werden [...] Verhinderung des reibungslosen Ablaufs der Kriegsmaschine [...] Sabotage auf allen wissenschaftlichen und geistigen Gebieten, die für eine Fortführung des gegenwärtigen Krieges tätig sind [...] Sabotage in allen Veranstaltungen kultureller Art [...] Sabotage in allem Schrifttum, allen Zeitungen [...]“ (III 79-91). Die Aktionen der Weißen Rose wurden durch die anstehende Feldfamulatur von Scholl, Schmorell und Graf zunächst unterbrochen, die sie vom 23. Juli bis 5. November1942 an der Ostfront ableisteten. [15] Diese Unterbrechung wird allgemein als das Ende der ersten Phase der Weißen Rose angesehen.[16] Bis zu diesem Zeitpunkt dürfte der Kreis der Eingeweihten noch relativ klein gewesen sein. Sophie Scholl erfuhr zufällig, aber schon relativ früh davon, als sie Zitate eines eben zugesteckten Flugblattes markiert in Büchern ihres Bruders wiederfand. Dieser weigerte sich aber anfänglich, sie weiter einzuweihen oder gar zu beteiligen.[17] Auch Willi Graf wurde erst zu einem späteren Zeitpunkt eingeweiht. Erste Hinweise finden sich in seinem Tagebuch am 10. Juli 1942. Sie können aber seine Einbeziehung nicht beweisen, sondern lassen es bestenfalls vermuten. Wie weit er während des Aufenthalts an der Ostfront eingeweiht wurde, lässt sich auch nicht mit Sicherheit sagen.[18] Erst durch eine Eintragung in seinem Tagebuch vom 2. Dezember 1942 kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass er eingeweiht war:[19] „Gespräche über den Aufbau, manche Gedanken sind mir neu.“[20] Traute Lafrenz, eine Freundin von Scholl, entdeckte im vierten Flugblatt eine Stelle, auf die sie Hans Scholl hingewiesen hatte. Als sie ihn darauf ansprach, meinte Hans, dass es besser sei, wenn sie so wenig wie möglich wisse. „Dabei blieb es. Mir war damit mein Platz zugewiesen, ich nahm an. Sorgte, dass die Blätter weiter verbreitet wurden...“[21] Wann und auf welche Weise Christoph Probst von den Widerstandsaktionen erfuhr, ist unklar.[22] Darüber hinaus dürften noch im näheren Freundes- und Bekanntenkreis einige Personen vermutet haben, dass die Urheber der Flugblätter in ihrem Umfeld zu suchen seien. Nach ihrer Rückkehr aus dem Osten begann die zweite Phase der Widerstandsaktionen der Weißen Rose. Zum einen wurde versucht, den Kreis der Widerständler auszuweiten. Dazu reiste Willi Graf u. a. nach Köln, Bonn, Saarbrücken und Freiburg, um sich mit alten Freunden zu treffen, die er zu Handlungen zu überzeugen hoffte, und um neue Kontakte zu knüpfen.[23] Dies gelang nur teilweise.[24] Über Traute Lafrenz wurden Kontakte zu Studenten nach Hamburg geknüpft. Diese wurden später als der Hamburger Zweig der Weißen Rose bezeichnet.[25] Außerdem suchten Scholl und Schmorell in dieser Zeit Eugen Grimminger auf, einen Freund der Familie Scholl, der ihnen mehrmals Geld zukommen ließ und als Finanzier der Weißen Rose gilt.[26] Als wichtigste Verbindung zu anderen Gruppen gilt aber Falk Harnack, der Bruder von Arvid Harnack, der zusammen mit Harro Schulze-Boysen den Kern der sog. „Roten Kapelle“ bildete. Der Kontakt zu ihm kam eher zufällig über eine Freundin Schmorells zustande. Ein Treffen zwischen Schmorell und Scholl einerseits und Harnack andererseits in Chemnitz am 14. November 1942 versprach Verbindungen zum Widerstand nach Berlin. Auch wurden politische Diskussion bei diesem Treffen geführt.[27] Vermutlich im Dezember 1942 wurde Kurt Huber eingeweiht[28], der nun regen Einfluss auf die Formulierung des 5. Flugblattes nahm.[29] Dieses entstand wohl Mitte Januar 1943, wurde in einer Auflage von 6000-9000 Flugblättern[30] von Schmorell, Graf und den Geschwistern Scholl hergestellt und anschließend in mehrere süddeutsche Städten verschickt. Es folgten noch mehrere Streuaktionen in München Ende Januar, Anfang Februar.[31] Das Flugblatt wurde in einer klareren und politischeren Sprache abgefasst und wandte sich nun „an alle Deutsche“. (V 3) Es zeigte eine politische Konzeption, die eine „gesunde föderalistische Staatenordnung“ (V 96f.) in Deutschland und Europa vorsah. Die Überschrift „Flugblätter der Widerstandsbewegung in Deutschland“ (V 1) spiegelte das neue Selbstverständnis der Gruppe nach dem Knüpfen der Kontakte zu anderen Gruppen wider. Die Wirkung des Flugblattes kann nur geschätzt werden. Die ersten Flugblätter entstanden zu einer Zeit, als die deutsche Armee sowohl an der Ostfront als auch in Afrika noch bedeutende Geländegewinne verzeichnen konnte. Das fünfte Flugblatt wurde dagegen verteilt, als sich eine Niederlage in Stalingrad abzeichnete und der Krieg sich unmittelbar auf die Bevölkerung auszuwirken begann. Dieses fünfte Flugblatt wurde in einer größeren Auflage gedruckt und an eine größere Anzahl Personen verteilt als die ersten vier Flugblätter. Zumindest rief es bei den wichtigen Stellen in Partei und Staat Besorgnis hervor: „Eine neue Lage entstand erst, als Ende Januar oder Anfang Februar 1943 im Stadtkern von München etwa 8-10000 im Vervielfältigungsverfahren hergestellte Flugblätter aufgefunden wurden, [...] Das Auftauchen dieser großen Zahl von Flugblättern in der Hauptstadt der Bewegung hat selbstverständlich bis in die höchsten Stellen Beunruhigung und Aufsehen hervorgerufen [...] Dabei wurde mir noch mitgeteilt, diese Flugblattaktion habe größte Beunruhigung hervorgerufen, demgemäß seien die höchsten Stellen von Partei und Staat an einer baldigen Aufklärung interessiert.“[32] Nach der Kapitulation der 6. Armee in Stalingrad am 3. Februar 1943 begann die dritte Phase der Widerstandsaktionen der Weißen Rose mit einem nächtlichen Streifzug von Schmorell und Scholl, auf dem sie an öffentlichen Gebäuden mit schwarzer Farbe die Parole „Nieder mit Hitler“ und durchgestrichene Hakenkreuze anbrachten. In der Nacht vom 8. auf den 9. Februar folgte eine weitere nächtliche Malaktion.[33] Angesichts der Katastrophe von Stalingrad verfasste Kurt Huber das sechste Flugblatt der Weißen Rose und ging darin direkt darauf ein. Mit scharfen Worten griff er auch die Zustände an der Münchner Universität an, verurteilte das nationalsozialistische Bildungssystem und forderte „im Namen der deutschen Jugend [...] vom dem Staate Adolf Hitlers die persönliche Freiheit, das kostbarste Gut des Deutschen zurück“. (VI 13f.) Nach einer kurzen Kontroverse strichen Schmorell und Scholl ohne Zustimmung Hubers eine Passage seines Textes, in dem er die Studenten aufforderte, sich weiterhin in die Reihen der glorreichen Wehrmacht zu stellen.[34] Dieses Flugblatt mit der Anrede „Kommilitoninnen! Kommilitonen!“ wurde in einer Auflage von 2000-3000[35] vervielfältigt und am 15. Februar verschickt. In der Nacht vom 15. auf den 16. Februar erfolgte wieder eine nächtliche Malaktion. Am 18. Februar 1943 verteilten Hans und Sophie Scholl morgens in der Universität die restlichen Flugblätter, wobei sie vom Pedell der Universität gesehen wurden, der sie festhielt und die Gestapo verständigte. Die Gründe für diese riskante Aktion sind bis heute nicht geklärt.[36] Die zwei wurden verhaftet und verhört. Schon am 22. Februar 1943 fand der Prozess gegen die beiden und gegen Christoph Probst statt, von dem man bei der Verhaftung von Hans Scholl einen handschriftlichen Entwurf zu einem Flugblatt gefunden hatte. Der Prozess unter Vorsitz von Roland Freisler war kurz und endete mit der Verurteilung zur Todesstrafe, die noch am selben Tag vollstreckt wurde.[37] Am 19. April folgte der zweite Prozess gegen Mitglieder der Weißen Rose, bei dem Alexander Schmorell, Willi Graf und Kurt Huber zum Tode verurteilt wurden. Weitere 11 Personen aus dem Umkreis der Weißen Rose kamen mit Zuchthaus zwischen 10 Jahren und 6 Monaten davon.[38] 3. Biographien3.1. Hans und Sophie SchollHans Scholl wurde am 18. September 1918 in Ingersheim bei Crailsheim geboren, Sophie Scholl am 9. Mai 1921 in Forchtenberg.[39] Beide wuchsen in einem liberalen, protestantischem Elternhaus auf. Dafür in erster Linie verantwortlich war ihr Vater Robert Scholl. Als überzeugter Pazifist hatte er sich im Ersten Weltkrieg nur als Sanitäter verpflichten lassen.[40] Danach trat er als überzeugter Demokrat auf und wurde Bürgermeister von Ingersheim, später von Forchtenberg. Er war „fortschrittlich, liberal und sozial“ eingestellt, weshalb er seine Wiederwahl 1930 nicht erreichte.[41] Daraufhin ließ er sich als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer in Ulm nieder, weil er in den Umwälzungen am Ende der Weimarer Republik nicht mehr an eine weitere politische Laufbahn als Demokrat glaubte.[42] Der neuen Regierung Hitler stand er skeptisch gegenüber und versuchte auch seine Kinder in dieser Weise zu beeinflussen. Insbesondere wollte er die anfängliche Begeisterung seiner Kinder für die Hitlerjugend bremsen.[43] Auch in der Öffentlichkeit hielt er mit seiner Meinung nicht zurück, worauf er 1942 denunziert und aufgrund von abfälligen Bemerkungen über Hitler zu vier Monaten Gefängnis verurteilt wurde.[44] Auch die Mutter übte Einfluss auf die Kinder aus, der aber mehr im Vermitteln von christlich-moralischen Grundwerten bestand.[45] „Ohne Zweifel entstanden hier [im Elternhaus, der Verf.] erste Impulse zu den späteren Widerstandsaktionen der Weißen Rose“[46] Die ersten Erfahrungen mit dem NS-Staat machte Hans Scholl in der HJ, der er 1933 begeistert beitrat.[47] Die anfängliche Begeisterung ließ jedoch schnell nach, als Hans die Einschränkungen des Systems bemerkte. Ohne Begründung wurde ihm verboten, fremdländische Lieder zu singen[48] und seinen Lieblingsschriftsteller, Stefan Zweig, zu lesen[49]. Der entscheidende Wendepunkt schien der Reichsparteitag von 1936 zu sein. Ihm wurde die eigentliche Ehre zuteil, die Fahne seines Stammes nach Nürnberg zu tragen. Als er zurückkam, „sah [er] müde aus, und in seinem Gesicht lag eine große Enttäuschung“.[50] Er hatte wohl begriffen, dass das Dabeisein mit der Aufgabe der Individualität und mit dem „Abstieg auf das geistig-moralische Niveau primitiver Horden“ verbunden war.[51] Zum endgültigen Bruch kam es, als er als Fähnleinführer einen seiner Kameraden mit einer Ohrfeige verteidigte, der die individuelle Fahne des Fähnleins nicht gegen die in der HJ vorgeschriebene eintauschen wollte. „Von da an war er nicht mehr Fähnleinführer“[52] Als Ersatz engagierte er sich in der verbotenen bündischen Jugend. Er trat der d.j. 1.11. bei, der deutschen jungenschaft vom 1. november 1929. Bei ihren Zusammenkünften sangen und lasen sie alles, was nicht der offiziellen Parteilinie entsprach und demnach verboten war.[53] Der Gruppe blieb er auch nach dem Abitur verbunden, als er zuerst den Reichsarbeitsdienst und dann den Wehrdienst ableistete. Die Wehrmachtszugehörigkeit schützte ihn aber nicht vor einer Verhaftung 1937, als im ganzen Reich gegen die „bündischen Umtriebe“ vorgegangen wurde. Es folgten 5 Wochen Haft und eine Verurteilung, die aber aufgrund einer Generalamnestie nach dem Anschluss von Österreich nicht vollstreckt wurde.[54] Während seiner gesamten Jugend las Hans Scholl eine Vielzahl an Literatur, darunter auch viele verbotene Schriften. Zunehmend beschäftigte er sich mit der antiken Philosophie, frühen christlichen Denkern und der Bibel.[55] Dieser Tendenz blieb er auch nach seinem im April 1939 begonnenen Medizinstudium treu, neben dem er auch noch Vorlesungen in Philosophie besuchte.[56] Zu diesem Zeitpunkt befand er sich schon aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen in einer inneren Opposition zum bestehenden System.[57] Für Sophie Scholl waren natürlich die gleichen familiären Voraussetzungen vorhanden wie für ihrem Bruder und auch bei ihr dauerte es eine gewisse Zeit bis sie, zuerst eher unbewusst, später aber doch konkret zu einer Haltung gegen das Regime kam. Sophie beteiligte sich am Jundmädelbetrieb und gehörte dann auch bis zum Ende der Schulzeit dem BDM an.[58] Doch schon hier machte sie Erfahrungen, auf die sie mit einer kritischen Distanz reagierte. So erregte sie sich zum einen darüber, dass zwei jüdische Mitschülerinnen nicht im BDM aufgenommen wurden, zum anderen hinterfragte sie die Behandlung der Juden im Allgemeinen und die Errichtung von Konzentrationslagern.[59] Der Ausbruch des Krieges 1939 festigte nur noch ihre Meinung gegen das Regime. In einem Brief an ihren Freund Fritz Hartnagel, Leutnant in der aktiven Offizierslaufbahn, schrieb sie: „Nun werdet ihr ja genug zu tun haben. Ich kann es nicht begreifen, daß nun dauernd Menschen in Lebensgefahr gebracht werden von anderen Menschen. Sag nicht, es ist fürs Vaterland.“[60] Kurze Zeit später bemerkte sie in einem weiteren Brief: „Der Hoffnung, daß der Krieg bald beendet sein könnte, geben wir uns nicht hin. Obwohl man hier der kindlichen Meinung ist, Deutschland würde England durch Blockade zum Ende zwingen.“[61] Demzufolge war es auch nur konsequent zu versuchen, dem Reichsarbeitsdienst nach dem Abitur zu entgehen. Doch obwohl sie ein halbes Jahr als Kindergärtnerin im Fröbel-Seminar arbeitete, musste sie dennoch zum Reichsarbeitsdienst antreten, dem auch noch ein weiteres halbes Jahr des neu eingeführten Kriegsdienstes folgte.[62] Ohne Freude leistete sie ihren Dienst ab und beschäftigte sich in dieser Zeit mit christlicher Literatur, besonders mit Augustinus.[63] Immer wieder setzte sie sich in dieser Zeit mit dem Krieg und seinen Folgen auseinander[64] und kam zu dem Schluss: „wir müssen den Krieg verlieren“[65] Nach Ableistung ihrer Dienste konnte sie im Frühjahr 1942 endlich das Studium der Biologie und Philosophie in München antreten, wo sie schnell im Freundes- und Bekanntenkreis ihres Bruders aufgenommen wurde. 3.2. Alexander SchmorellAlexander Schmorell wurde am 16. September 1917 in Orenburg/Ural geboren. Sein Vater war Arzt deutscher Abstammung in Russland gewesen. Nach dem Tod seiner Frau verließ er 1921 in den Nachwirren der Revolution Russland und ließ sich in München nieder. Obwohl er in Deutschland wieder heiratete, übernahm größtenteils das russische Kindermädchen die Mutterrolle für den kleinen Alexander. Aufgrund ihres Einflusses war Schmorell eng mit der russischen Kultur verbunden, aber auch das restliche familiäre Umfeld war russisch geprägt.[66] Er bediente sich fließend der russischen Sprache, liebte russische Dichtung, las russische Autoren und wurde im russisch-orthodoxen Glauben erzogen. Die Worte von Angelika Probst spiegeln diese Verbundenheit mit Russland wider: „Er wurde bis zur Schwermut von einer beständigen Sehnsucht nach Rußland verzehrt, seinem Heimatland, das wiederzusehen er sich täglich erträumte, und auch seiner jungen lieblichen Mutter, die er niemals gesehen hatte.“[67] In seiner Jugend war Schmorell Mitlied bei den bündischen Jugendorganisationen Jungbayern und Scharnhorst. Nachdem diese in die HJ eingegliedert worden waren, verließ sie Schmorell.[68] Neben diesen Jugendaktivitäten beschäftigte sich Schmorell schon früh mit Kunst und Literatur. Dabei stellte sich seine künstlerische Begabung heraus, die sich besonders in der Bildhauerei und im Klavierspiel ausdrückte. Bei seinen künstlerischen Tätigkeiten wurde er sehr vom Vater unterstützt, der selbst ein reges geistiges Leben führte und für ein entsprechendes Umfeld der Familie sorgte.[69] Dazu gehörten auch die literarischen Abende, die in ihrer Münchner Wohnung veranstaltet wurden und auf die später noch kurz eingegangen wird. 1935 traf er zum ersten Mal Christoph Probst und freundete sich mit ihm an. Mit ihm blieb er auch in Kontakt, als sie nicht mehr auf derselben Schule waren.[70] 1936 machte er Abitur und leistete anschließend den Reichsarbeitsdienst, bevor er dann 1937 seinen Militärdienst ableistete. Dort geriet er mehrmals in Schwierigkeiten weil er sich gegen die Disziplin und die Uniformität auflehnte und sich weigerte, den Eid auf den Führer zu leisten.[71] 1939 begann er weniger aus Interesse als vielmehr seinem Vater zuliebe das Studium der Medizin, zuerst in Hamburg, später in München. Es ist nicht verwunderlich, dass Schmorell zu dieser Zeit den Nationalsozialismus ablehnte. Der nationalsozialistische Wahn und besonders die rassische Lehre mussten ihm aufgrund seiner Herkunft widerstreben. Aber genauso die Einschränkung seiner persönlichen Freiheit, besonders in kultureller Hinsicht, machten ihn dem System unzugänglich. 3.3. Christoph ProbstChristoph Probst wurde am 6. November 1919 in Murnau geboren. Sein Vater war ein begüterter Privatgelehrter, der sich vornehmlich mit Kunstgeschichte und vergleichenden Religionswissenschaften beschäftigte und einen großen Freundes- und Bekanntenkreis von modernen Künstlern hatte. Diese Neigungen übernahm auch sein Sohn.[72] Die Familie bekam sehr schnell die Bedrohung des nationalsozialistischen Systems zu spüren, da die Stiefmutter Jüdin war. Die enge Beziehung die Probst zu ihr hatte, ließ ihn die Gefahr für sie nur umso deutlicher empfinden.[73] Die längste Zeit seiner Schulzeit verbrachte Probst in Internaten, die sich gegenüber dem nationalsozialistischen System und insbesondere gegenüber der HJ gewisse Freiräume schaffen und bewahren konnten.[74] Hier traf er, wie schon erwähnt, zum ersten Mal Alexander Schmorell, mit dem er seither in Kontakt stand. Probst war zwar ungetauft, doch orientierte er sich an moralischen Normen, die sich eng an die christlichen Normen anlehnten. So empörte er sich nach einem Bericht seiner Schwester aufs Äußerste über die Euthanasiemorde der Nazis.[75] Letztendlich ließ er sich auch noch kurz vor seiner Hinrichtung taufen. Nach dem Abitur 1937 folgte der Reichsarbeitsdienst und der Militärdienst bei der Luftwaffe, welchen er wegen der Einschränkung seiner Freiheit hasste. 1939 begann er sein Medizinstudium in München. Dort heiratete er Hertha Dohrn, die Tochter von Harald Dohrn, der in München in regimekritischen Kreisen verkehrte und 1945 erschossen wurde.[76] Mit seiner Frau hatte Probst drei Kinder, weshalb er vornehmlich aus der aktiven Widerstandsarbeit der Weißen Rose herausgehalten wurde. Doch war er vermutlich in die Aktionen eingeweiht und steuerte Adressen zu den Versandaktionen bei.[77] 3.4. Willi GrafWilli Graf wurde am 2. Januar 1918 in Kuchenheim geboren. Er wuchs in einem von katholischen Traditionen geprägten Elternhaus in Saarbrücken auf. Mit elf Jahren trat er dem katholischen Schülerbund „Neudeutschland“ bei, in dem unter Gleichgesinnten viel gelesen und diskutiert wurde, besonders auch über religiöse und ethische Themen. Für sie war jugendliche Autonomie wichtig, und sie wehrten sich gegen jeglichen Eingriff von außen. So war es nur konsequent, dass sich Willi Graf standhaft trotz Nötigung und Bedrängen weigerte, in die HJ einzutreten.[78] Er ging sogar noch weiter und strich in seinem Adressbuch manchen Namen mit dem Vermerk „Ist in der HJ“ durch.[79] Seine Abneigung gegenüber dem Nationalsozialismus begründete Graf mit christlichem Gedankengut.[80] Nach dem Verbot von „Neudeutschland“ schloss sich Graf dem illegalen „Grauen Orden“ an. Dieser war ebenfalls katholisch geprägt, stammte von der bündischen Jugend ab und stand im Gegensatz zur HJ. Das Zusammensein mit Freunden, Gespräche mit ihnen, Liebe zur Natur und zur Freiheit waren wichtig in diesem Bund. Bei Lesungen und Diskussionsrunden wurden religiöse Themen ebenso behandelt wie politische. Man war sich einig in der Ablehnung des nationalsozialistischen Systems.[81] In der bündischen Jugend wurde Willi Graf noch mehr als von seinem Elternhaus geprägt, so dass sich die ethisch-religiöse Grundlage für sein späteres Handeln entwickeln konnte.[82] In Folge der Verhaftungswelle gegen „bündische Umtriebe“, derentwegen Hans Scholl verhaftet wurde, wurde auch Graf als Mitglied des „Grauen Ordens“ 1938 verhaftet und profitierte ebenfalls wie Scholl von der Amnestie nach dem Anschluss Österreichs.[83] Nach dem Abitur 1937 begann Graf das Medizinstudium, weniger aus Interesse als vielmehr deswegen, weil die Medizin noch nicht so sehr durch die Naziideologie reglementiert war wie die anderen Fächer, denen Graf zugeneigt war: Philosophie, Geschichte, Literatur und Theologie.[84] Er begann zuerst in Bonn und wechselt nach Ausbruch des Krieges nach München. 3.5. Kurt HuberKurt Huber wurde am 24. Oktober 1893 in Chur geboren. Er besuchte das Gymnasium, das er mit dem Abitur abschloss. Danach studierte er in München Musikwissenschaft, Philosophie und Psychologie. Im Jahre 1917 promovierte er mit einer Dissertation in Musikwissenschaft und konnte seine Habilitation in einem musikpsychologischen Thema anschließen und bereits 1920 abschließen. Es folgten mehrere außerordentliche Professuren in München und Berlin. Währenddessen machte er sich einen Namen in der Erforschung des Volksliedes.[85] Anfänglich verband er wie viele Konservative mit der Regierungsübernahme der Nationalsozialisten große Hoffnungen, die sich aber bald zerschlugen.[86] Zunehmend stand er den Nationalsozialisten kritisch gegenüber. Dies lag zum einen daran, dass er nie eine gesicherte Anstellung an der Universität erhielt, da er aufgrund einer körperlichen Behinderung nicht Reserveoffizier werden konnte, dies aber als Voraussetzung für eine ordentliche Professur galt. Dementsprechend niedrig war sein Einkommen, so dass seine Familie in dürftigen Verhältnissen leben musste. Viel entscheidender aber „war für ihn der immer schmählichere Zwang, der sich auf das ganze geistige Leben Deutschland legte, die Verlogenheit und Schamlosigkeit, mit der jede Ehrfurcht vor der wahren deutschen Kultur systematisch unterwühlt wurde, die Zerstörung jedes Rechtslebens, jeder Freiheit als Forscher, Lehrer und Mensch.“[87] Bezeichnenderweise trat er bis 1940 nicht der NSDAP bei, bis ihn seine Frau ohne sein Wissen einschreiben ließ. Als er 1942 zum ersten Mal mit den Mitgliedern der Weißen Rose zusammentraf, war er für seine das System ablehnende Haltung an der Universität bekannt.[88] 4. Das Münchner UmfeldAlle Mitglieder der Weißen Rose hatten, als sie sich zum Studium in München einfanden, schon ihre meist negativen Erfahrungen mit dem nationalsozialistischen System gemacht und lehnten ihn aus diversen Gründen ab. Doch bis es zum letzten Schritt, zum aktiven Widerstand kam, bedurfte es noch einer gewissen Reifung. Um diese zu verstehen, muss man das nähere und weitere Umfeld der Weißen Rose betrachten, von dem letztendlich die Impulse ausgingen. Der Ursprung dieser Verbindungen war die Freundschaft von Hans Scholl und Alexander Schmorell, die sich 1940 in der Studentenkompanie kennen lernten. In dieser waren Medizin-Studenten zusammengefasst, die zwar dem Militär angehörten, aber wenigstens einen Teil ihrer Zeit studieren konnten. Diese waren ein Sammelbecken für Unzufriedene und für diejenigen, die dem Kriegsdienst entgehen wollten. Außerdem ging es hier „viel ziviler [...] als in jeder anderen Heereseinheit zu“.[89] Scholl und Schmorell merkten schnell, dass man außer den gemeinsamen Interessen Literatur, Musik und Kunst auch die gleiche politische Einstellung hatte. Dies war die Vorausetzung für die Einladung in das Haus der Schmorells, wo sich regimekritische Leute zu Leseabenden trafen. Um dieses Zentrum Scholl und Schmorell lernten sich mehrere Leute kennen, die in etwa die gleichen Vorlieben und politischen Ansichten hatten. Kriterium dafür war meist, dass man sich öfters an Stellen traf, an denen man eher mit Leuten rechnete, die eine kritische Stellung einnahmen. Dies wurde meist nur subtil wahrgenommen und belief sich z. B. auf wenige Bemerkungen, die die Person als kritisch auswiesen.[90] Ein weiteres wichtiges Kriterium waren Freundschaften oder verwandtschaftliche Beziehungen zu einer der schon integrierten Personen.[91] So wurde sowohl Sophie Scholl, als sie im Mai 1942 nach München kam, ebenso schnell aufgenommen wie später auch Anneliese Graf, als sie 1942 zu ihrem Bruder kam. So entwickelte sich langsam der Freundeskreis[92] um Scholl und Schmorell. Scholl lernte Probst auf einem Leseabend im Hause Schmorell kennen. Ebenfalls über Schmorell lernte er auf einem Bachkonzert Traute Lafranz kennen, eine Kommilitonin aus Schmorells Hamburger Studienzeit, mit der er sich eng anfreundete und die später auch in die Aktionen eingeweiht, aber nicht direkt beteiligt war.[93] Sie bildete später auch eine der Verbindungen zum Hamburger Zweig der Weißen Rose. In der Studentenkompanie freundeten sie sich mit Hubert Furtwängler und Jürgen Wittenstein an. Im Juni 1942 lernten sich Scholl und Graf kennen, der dies in seinem Tagebuch mit der Bemerkung festhält: „Gespräch mit Hans Scholl. Hoffentlich komme ich öfters mit ihm zusammen“.[94] Darüber hinaus gehörten in diesen Freundeskreis, wenn auch am Rande, die Studentinnen Gisela Schertling und Katharina Schüddekopf.[95] Doch ergaben sich nicht nur Kontakte zu Studenten. Im November 1941 lernte Hans Scholl den katholischen Publizisten Carl Muth kennen, der sein wichtigster Mentor wurde und die politischen und weltanschaulichen Ansichten der Weißen Rose nachhaltig prägte.[96] Muth war Herausgeber der katholischen Zeitschrift „Hochland“, die auf äußerst subtile Weise indirekte Kritik am Nationalsozialismus übte, bis sie letztendlich 1941 verboten wurde. Es entwickelte sich ein enger Kontakt, da Scholl die Aufgabe übernommen hatte, Muths Bibliothek zu katalogisieren. Über ihn lernte er eine Reihe weiterer Schriftsteller kennen, die dem Regime feindlich gegenüberstanden: Theodor Haecker, Alfred von Martin, Werner Bergengruen, Sigismund von Radecki, um nur die wichtigsten zu nennen.[97] Mit ihnen hatte er die Möglichkeit zu grundsätzlichen Diskussionen über Literatur, Theologie und Philosophie. In dieser Zeit las er noch mehr als bisher und beschäftigte sich intensiv mit den frühen christlichen Schriftstellern, u. a. mit Augustinus und Thomas von Aquin. Auch der Freundeskreis wurde nun in diese Bekanntschaften einbezogen. Es folgten Leseabende, an die sich vornehmlich literarische, aber auch theologische, philosophische und politische Diskussionen anschlossen. Die Freunde lernten weitere Personen kennen wie den Architekten Manfred Eickemeyer, der ihnen schon früh von der Kriegsverbrechen der SS in Polen erzählte, die er miterlebt hatte. Dieser stellte Scholl und seinen Freunden sein Atelier zur Verfügung, so dass sie selbst zu Leseabenden einladen konnte. Dieses Atelier wurde auch später zur Herstellung des fünften Flugblattes verwendet.[98] Auf einer dieser Veranstaltungen trafen die Mitglieder der Weißen Rose im Sommer 1942 zum ersten Mal privat Professor Huber, den sie schon länger aus dessen Vorlesungen kannten. Diese hatten den Ruf, besonders gut und mit kritischen Bemerkungen gegen das Regime gespickt zu sein. So waren sie auch für Studenten anderer Fakultäten interessant und auch die Mitglieder der Weißen Rose besuchten die Veranstaltungen regelmäßig.[99] Bei diesem ersten privatem Treffen kam es auch zu einer abschließenden Diskussion, bei der Huber und die Studenten in ihrer Ablehnung des Systems übereinstimmten. Es folgten weitere Treffen mit Huber und der Kontakt wurde letztendlich so eng, dass er auch in die Widerstandsarbeit der Weißen Rose einbezogen wurde. Die Mitglieder der Weißen Rose bewegten sich also in einem bestimmten Milieu in München. Dessen Kennzeichen war in erster Linie das Interesse für Literatur und Kunst. Darüber hinaus kennzeichnete es aber auch eine regimekritische Einstellung, basierend auf christlichen und moralischen Wertmaßstäben. 5. KriegserfahrungenAuf die eine oder andere Weise machten alle Mitglieder der Weißen Rose ihre Erfahrungen mit dem Krieg. Besonders direkt galt dies natürlich für die Medizinstudenten, die einer Studentenkompanie zugeteilt waren und ihr Studium immer wieder für die Feldfamulatur an der Front unterbrechen mussten. Hans Scholl nahm 1940 am Frankreichfeldzug teil. Als Besatzer fühlte er sich deutlich unwohl. In einem Brief an seine Eltern schrieb er: „Bin ich denn ein Dieb oder ein anständiger Mensch? Und was hier alles gestohlen wird.“[100] Weitere Briefe spiegeln seine Ablehnung des Krieges wider.[101] Willi Graf machte seine ersten Kriegserfahrungen im Jugoslawien-Feldzug 1941,[102] bevor er im Winter 1941/42 in Russland eingesetzt wurde. Über seine Erfahrungen schrieb er in einem Brief an seine Schwester: „Ich wünschte, ich hätte das nicht sehen müssen, was ich alles in dieser Zeit mitanschauen mußte. Doch so etwas darf man sich nicht wünschen, denn schließlich hat alles Erlebte seinen Sinn, das wir ertragen müssen. Der Krieg, gerade hier im Osten führt mich an Dinge, die neuartig und fremd wie nichts bisher bekanntes sind. Und das muß man alles verarbeiten, obwohl kaum jemand da ist, mit dem man darüber reden könnte.“[103] Das beeindruckendste Erlebnis wurde aber die Feldfamulatur an der Ostfront im Sommer 1942, zu der Scholl, Schmorell, Graf und Furtwängler abkommandiert wurden. Hier erlebten sie die Kriegsverbrechen der Wehrmacht hautnah mit, die sie bisher nur aus den Erzählungen von Manfred Eickemeyer gekannt hatten. Bei der Durchreise durch Warschau erlebten sie die Räumung des Ghettos mit und Willi Graf notierte in seinem Tagebuch: „Am Spätnachmittag gehen wir in die Stadt. Das Elend sieht uns an. Wir wenden uns ab. [...] Hoffentlich sehe ich Warschau nicht mehr unter diesen Vorzeichen und Bedingungen.[104] Andererseits nutzten sie die Chance, Russland besser kennen zu lernen und besonders Schmorell konnte seine Sehnsucht nach Russland stillen. Unter seiner Vermittlung, er sprach ja fließend russisch, knüpften sie Kontakte zur Bevölkerung und lernten die Sprache.[105] Dies entsprach natürlich nicht den nationalsozialistischen Vorstellungen von der deutschen Herrenrasse und den slawischen Untermenschen. Doch auch bei anderen Gelegenheiten setzten sie sich über die Dienstvorschriften und Anweisungen hinweg, als sie u. a. russischen Kriegsgefangenen Zigaretten[106] und einem jüdischen Mädchen eine Essensration[107] gaben oder bei der Misshandlung von Kriegsgefangenen einschritten.[108] Als sie nach München zurückkehrten, waren sie auf der einen Seite umso mehr von der Sinnlosigkeit dieses Krieges und den Verbrechen des Systems überzeugt. Auf der anderen Seite bestärkte sie die Tatsache, dass sie immer ohne ernsthafte Konsequenzen davongekommen waren, darin, ihre Aktionen gegen das System fortzuführen und sogar noch auszuweiten.[109] Auch die Daheimgebliebenen machten ihre Kriegserfahrungen. In erster Linie natürlich mit den sich allmählich verstärkenden Luftangriffen der Alliierten und der Versorgungsknappheit in Deutschland. Darüber hinaus war Christoph Probst einer Einheit der Luftwaffe zugeteilt[110] und Sophie Scholl hatte nicht nur ihren Reichsarbeitsdienst abgeleistet, sondern musste in den Semesterferien im Kriegshilfsdienst in einer Rüstungsfabrik arbeiten.[111] 6. Die FlugblätterIn den Flugblätter der Weißen Rose spiegelt sich der biographische Hintergrund der Mitglieder genauso wider wie die aktuellen Geschehnisse der Zeit. Die persönliche Konfrontation mit dem nationalsozialistischen Staat führte zu Auseinandersetzung mit diesem in den Flugblättern, zu einer Auseinandersetzung zwischen ihm und dem richtigen und gerechten Staat. Dabei wurden als Gegenbeispiele die Vorstellungen von Philosophen und christlichen Denkern angeführt. Im ersten Flugblatt wird Solons Staat dem Staat des Lykurgus gegenübergestellt (I 50-87), ein direkter Vergleich mit dem nationalsozialistischen Staat also, der sich gerne selbst mit Sparta verglich. Das dritte Flugblatt beginnt mit der Staatsdefinition Ciceros (III 9) und endet mit einem Zitat des Aristoteles über die Politik (III 108-120). Als vorbildlichen Staat wird die civitas Dei (III 19) des Augustinus dargestellt, von dem sich alle anderen Staatsformen (Demokratie, Monarchie etc.) ableiten. Es wird herausgehoben, dass jeder den Anspruch auf einen gerechten Staat (III 24) hat und dass der „heutige Staat“ eine „Diktatur des Bösen“ (III 29) ist, ein System, das es zu beseitigen gilt (III 38). Eine solche Gegenüberstellung konnte nicht von jedem entwickelt werden. Dazu gehörte neben der Kenntnis dieser Schriften eine intensive Auseinandersetzung mit den darin enthaltenen Gedanken. Deshalb sind die Flugblätter der Weißen Rose erst vor dem biographischen Hintergrund der Mitglieder zu verstehen, die eine Vielzahl an Literatur konsumiert und einen entsprechend regen Gedankenaustausch mit Gleichgesinnten gehabt haben. Durch die ersten vier Flugblätter ziehen sich eschatologische und apokalyptische Bilder. Der Nationalsozialismus wird nicht als politisches Phänomen behandelt. Er erscheint als „Bote der rächenden Nemesis“ (I 34f.) und als ein „unersättlicher Dämon“ (I 36). Er wird als „Geißel der Menschheit“ (I 39f.) bezeichnet, die eine „atheistische Kriegsmaschine“ (I 42f.) betreibt. Die Begründung für die unpolitische Auseinandersetzung wird am Anfang des zweiten Flugblattes gegeben: „Man kann sich mit dem Nationalsozialismus geistig nicht auseinandersetzen, weil er ungeistig ist.“ (II 1f.) Stattdessen wird auf einer religiös-ethischen Weise gegen ihn argumentiert, in der sich der Einfluss des christlich-philosophischen Umkreises der Weißen Rose in München widerspiegelt, besonders der Einfluss von Muth und Haecker.[112] Schließlich sind sich die Verfasser auch der „Verantwortung als Mitglied der christlichen und abendländischen Kultur bewusst“ (I 37f.). Das christliche Motiv zieht sich durch alle Flugblätter. Es wird von schwerer Schuld gesprochen, die man auf sein Gewissen lädt, wenn man sich nicht daran beteiligt, „die abscheulichste aller Missgeburten von Regierungen aus der Welt zu schaffen“. (II 80-87) Diese Regierung wird als „Diktatur des Bösen“ (III 29), als „Dämon“ und „Bote des Antichristen“ (IV 40) bezeichnet. Ein weiteres Motiv, das wiederholt in den Flugblättern angesprochen wird, ist die persönliche Unfreiheit. Schon im ersten Flugblatt tauchen die mit den Begriffen „Vergewaltigung“, „Gefängnis“ und „gefesselt“ (I 27-29) auffällige Bilder der Unfreiheit auf. Diese hatten sie schon seit ihrer Jugend erfahren. Am deutlichsten wird auf diese Erfahrungen im sechsten Flugblatt eingegangen: „Im Namen der deutschen Jugend fordern wir von dem Staat Adolf Hitlers die persönliche Freiheit, das kostbarste Gut des Deutschen zurück, um das er uns in der erbärmlichsten Weise betrogen hat. In einem Staat rücksichtsloser Knebelung jeder freien Meinungsäusserung sind wir aufgewachsen. HJ, SA, SS haben uns in den fruchtbarsten Bildungsjahren unseres Lebens zu uniformieren, zu revolutionieren zu narkotisieren versucht.“ (VI 12-18). Des Weiteren wird die „wahre Wissenschaft und echte Geistesfreiheit“ (VI 36) eingefordert, bevor an die napoleonischen Freiheitskriege erinnert wird (VI 51-58). In den Flugblättern gibt es auch einen tagespolitischen Bezug. Die militärische Lage wird mehrmals reflektiert. Es wird auf die vernichtenden Bomberangriffe auf Köln Ende Mai 1942 (I 44) sowie auf den zum Stillstand gekommenen Angriff auf Ägypten (IV 18) angespielt. Auch wird darauf verwiesen, dass die Erfolge an der Ostfront „unter den grauenhaftesten Opfern erkauft“ (IV 21) worden waren. Es wird vor Optimismus gewarnt (IV 23) und der Krieg indirekt als schon verloren bezeichnet (I 43f., 38f.). Das nach ihrer Rückkehr aus Russland entstandene fünfte Flugblatt vermerkt denn auch mit aller Sicherheit: „Der Krieg geht seinem sicheren Ende entgegen“ (V 9) und „Hitler kann den Krieg nicht mehr gewinnen, nur noch verlängern“ (V 24f.). Das sechste Flugblatt entstand dann auch als direkte Folge des Desasters von Stalingrad. Auch auf das Schicksal der Juden und die Verbrechen in Osten wurde in den Flugblätter wiederholt eingegangen (I 22f.; II 44-63, 69; V 44, VI 46f.). Hierbei hatten sie auch durch die Informationen von Eickemeyer und durch ihre eigenen Erfahrungen an der Ostfront mehr Wissen als der Großteil der Bevölkerung. Aus diesen Motiven lassen sich dann auch die zwei Hauptziele der Weißen Rose erkennen. Zum einen fordern sie ein schnelles Ende des Krieges, den sie als unmenschlich ansehen und der zu viele Opfer gefordert hat. Zum anderen wollen sie das nationalsozialistische System beseitigen. 7. Zusammenfassung und SchlussbemerkungDiese Arbeit sollte gezeigt haben, dass die Beweggründe der Weißen Rose, Widerstand zu leisten, vielschichtig und differenziert waren, wobei bisher in der Literatur konstante, durchgängige Motive der einzelnen Gruppenmitglieder im Vordergrund standen, die mit unterschiedlicher Gewichtung die Widerstandshandlung prägten. Diese Motive zu verstehen fällt nicht leicht, insbesondere wenn man bedenkt, wie einzigartig der Widerstand der Weißen Rose war und wie sehr sich die Mitglieder aus der Masse der deutschen Studentenschaft heraushoben, die nicht umsonst als die Speerspitze der nationalsozialistischen Elite galten. Das Verständnis fällt etwas leichter bei der Betrachtung der einzelnen Biographien, die nicht ganz alltäglich scheinen. Dabei lassen sich eine Reihe von Gemeinsamkeiten herausarbeiten, die jeweils mindestens zwei oder mehr Mitglieder auszeichneten. In erster Linie gilt dies für die Elternhäuser. Alle Mitglieder entstammten dem Bildungsbürgertum und gehörten der oberen Mittelschicht an. Dies ermöglichte allen eine längere und damit bessere Schulbildung und letztendlich auch das Studium. Außerdem lässt sich so das überdurchschnittliche Interesse für Kultur und Literatur erklären. Die große Belesenheit und die daraus resultierende Bildung war sicherlich ein gemeinsames Kennzeichen aller Mitglieder der Weißen Rose. Darüber hinaus übertrugen sich auch gewisse Einstellungen der Elternhäuser auf die Kinder. Für die Scholls ist hier die liberale und demokratische Einstellung des Vater und die daraus entstandene Ablehnung des Nationalsozialismus zu nennen. Bei Schmorell gilt dies für die Verbundenheit mit Russland und der russischen Kultur. Bei Graf und bedingt auch bei Probst wurden von den Eltern die Religiosität weitergegeben. In den Elternhäusern wurde also die Grundlage für die spätere ethisch-moralische und philosophisch-politische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus gelegt. Prägend waren auch die Erfahrungen in den Jugendgruppen und die Erfahrungen mit der HJ. Alle, außer Sophie Scholl, waren entweder in der bündischen oder katholischen Jugend organisiert und mussten die allmähliche Gleichschaltung der Jugendgruppen in der HJ miterleben. Während Hans Scholl sich zunächst für die HJ begeistern konnte und erst später Zweifel bekam, lehnten Schmorell und Graf sie von vornherein ab. Die Folge war Resignation und Rückzug oder der Anschluss an verbotene Gruppierungen. Wegen dieser „bündischen Umtriebe“ machten Scholl und Graf auch ihre ersten Erfahrungen mit der Staatsmacht, was ebenfalls zu ihrer Ablehnung des Systems beitrug. Der Reichsarbeitsdienst, den alle absolvieren mussten, tat sein Übriges. Besonders wichtig wurde das kritische persönliche Umfeld in München. Dieses bestand zum einen aus den etwa gleichaltrigen Freunden, die das gemeinsame Studium und gleichgeartete Interessen verband. Zum anderen aus den doch um einiges älteren Personen, zu denen die Weiße Rose über diverse Verbindungen Kontakt hatte. In diesem Umfeld wurden die schon vorhandenen Interessen für Kunst und Literatur, für Philosophie im Allgemeinen und Ethik im Speziellen erweitert und ergänzt. Hier wurden die Autoren gelesen und die Gedanken angedacht, die später in den Flugblättern Eingang fanden. Auf den außerordentlich großen Einfluss von Muth und Haecker sei dabei noch einmal hingewiesen. Im Kontakt mit diesem Freundes- und Bekanntenkreis wurde auch das schon vorhandene ethisch-christliche Verantwortungsbewusstsein gefestigt und verstärkt. Für alle Mitglieder prägend waren die Erfahrungen, die sie im Zusammenhang mit dem Krieg machten. Dazu zählte neben den schon „normalen“ Erfahrungen von Bombenangriffen und Versorgungsknappheit der Einsatz in den Studentenkompanien und den damit verbunden Feldfamulaturen an der Front. Besonders der Einsatz im Osten bestärkte sie in ihrer Meinung von der Sinnlosigkeit des Krieges, was sich dann auch mit der verstärkten Forderung nach Beendigung des Krieges in den letzten zwei Flugblättern niederschlug. Die in Polen und Russland gesehenen Kriegsverbrechen, von denen sie schon von Eickemeyer gehört hatten, dürften sie noch mehr in ihrem Entschluss zum Widerstand bestärkt haben. In dieser Hinsicht hatten sie aber gegenüber dem Großteil der Bevölkerung einen Informationsvorsprung, da die Gräueltaten nur allmählich nach Deutschland durchsickerten und anfänglich nicht geglaubt wurden. Beim Versuch einer Kategorisierung der Motive der Weißen Rose, die sich aus dem biographischen Hintergrund erklären lassen, kann man letztendlich fünf Punkte festhalten, aus denen sich alle anderen Motive ableiten lassen:
Was nun der letztendliche Auslöser für die Widerstandshandlungen war, lässt sich nicht genau eruieren.[113] Man kann nur festhalten, dass sie im Vergleich zum Großteil der Bevölkerung bessere Voraussetzungen hatten, das nationalsozialistische System als Unrechtssystem zu erkennen. Dies soll die Taten der Weißen Rose aber nicht herabwürdigen. Im Gegenteil, gerade dass sie, im Gegensatz zur restlichen „deutschen Intelligenz“ (II 24), nicht versagt hatte und von der Diskussion zur Tat geschritten ist, macht die Widerstandshandlungen der Weißen Rose zu etwas Besonderem.
© Rüdiger Jörg, Vervielfältigung, Weiterverarbeitung, Veröffentlichung oder sonst. Nutzung nur mit Genehmigung des Autors. 8. Literatur:· Aicher-Scholl, Sippenhaft: Aicher-Scholl, I., Sippenhaft. Nachrichten und Botschaften der Familie in der Gestapo-Haft nach der Hinrichtung von Hans und Sophie Scholl, Frankfurt a. M. 1993. · Altgeld, Hans und Sophie Scholl: Altgeld, W., Über Hans und Sophie Scholl, in: Lill, R. (Hrsg.), Hochverrat? Die „Weiße Rose“ und ihr Umfeld, Konstanz 1993, S. 13-41. · Bretschneider, Widerstand in München: Bretschneider, H., Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus in München 1933 bis 1945, Diss., München 1968. · Breyvogel, Die Gruppe Weiße Rose: Breyvogel, W., Die Gruppe Weiße Rose. Anmerkungen zur Rezeptionsgeschichte und kritischen Rekonstruktion, in: ders., Piraten, Swings und Junge Garde. 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[7] Moll, Weiße Rose, S. 444. [8] Landersdorfer, Weiße Rose, S. 862. [9] Anklageschrift vom 8.4.1943 gegen Schmorell, Graf, Huber u.a. Hier zitiert nach Knoop-Graf/Jens, Briefe und Aufzeichnungen, S. 206-233. [10] Knoop-Graf/Jens, Briefe und Aufzeichnungen, S. 212. [11] Landersdorfer, Weiße Rose, S. 862. [12] Moll, Weiße Rose, S. 446. [13] Zitiert nach Siefken, Die Weiße Rose und ihre Flugblätter, S. 22-32. Die Flugblätter sind in vollen Wortlaut u. a. auch abgedruckt bei Petry, Studenten aufs Schafott, S. 153-167; Lill, Hochverrat?, S. 193-208; Scholl, Die Weiße Rose, S. 85-110. [14] Verhörprotokolle von Hans Scholl vom 20. Februar 1943, zitiert nach Moll, Weiße Rose, S. 446f. [15] Knoop-Graf/Jens, Briefe und Aufzeichnungen, S.29. [16] So z. B. Moll, Weiße Rose, S. 446-449; [17] Scholl, Die Weiße Rose, S. 39-42. [18] Knoop-Graf/Jens, Briefe und Aufzeichnungen, S. 29. [19] Knoop-Graf, Jens, Briefe und Aufzeichnungen, S. 294. [20] Knoop-Graf/Jens, Briefe und Aufzeichnungen, S. 84. [21] Steffahn, Weiße Rose, S. 76. [22] Landersdorfer, Weiße Rose, S. 867. [23] Steffahn, Weiße Rose, S. 90. [24] Knoop-Graf/Jens, Briefe und Aufzeichnungen, S. 33f. [25] Steffahn, Weiße Rose, S. 126f. [26] Kißener, Geld aus Stuttgart, S. 126-129. [27] Breyvogel, Die Gruppe Weiße Rose, S. 189ff. [28] Knoop-Graf/Jens, Briefe und Aufzeichnungen, S. 294f. [29] Breyvogel, Die Gruppe Weiße Rose, S. 192f. [30] Die Zahlenangaben in den Aussagen, den Anklage- und Urteilsschriften differieren. Vgl. Moll, Die Weiße Rose, S. 452, Anm. 58. [31] Moll, Weiße Rose, S. 449ff. [32] Mitgeteilt durch Robert Mohr, ehemaliger Kriminalobersekretär der Gestapo München, zit. nach: Leist, Möglichkeiten und Grenzen, S. 178f. [33] Moll, Weiße Rose, S. 456. [34] Landersdorfer, Weiße Rose, S. 876. [35] Auch hier differieren die verschiedenen Angaben. Vgl. Moll, Weiße Rose, S. 455, Anm. 80. [36] Vgl. zu möglichen Gründen besonders Breyvogel, Die Gruppe Weiße Rose, [37] Steffahn, Weiße Rose, S. 112-116. [38] Steffahn, Weiße Rose, S. 116-125. [39] Siefken, Die Weiße Rose und ihre Flugblätter, S. 137, 149 [40] Aicher-Scholl, Sippenhaft, S. 131. [41] Aicher-Scholl, Sippenhaft, S. 131. [42] Siefken, Die Weiße Rose und ihre Flugblätter, S. 137. [43] Vgl. dazu die Ausführungen in Scholl, Weiße Rose, passim, bes. 10-13. [44] Aicher-Scholl, Sippenhaft, S. 131. [45] Petry, Studenten aufs Schafott, S. 25. [46] Aicher-Scholl, Sippenhaft, S. 131. [47] Scholl, Die Weiße Rose, S. 11f. [48] Scholl, Die Weiße Rose, S. 12f. [49] Scholl, Die Weiße Rose, S. 14. [50] Scholl, Die Weiße Rose, S. 13. [51] Altgeld, Hans und Sophie Scholl, S. 32 [52] Scholl, Die Weiße Rose, S. 15. [53] Steffahn, Weiße Rose, S. 22. [54] Siefken, Die Weiße Rose und ihre Flugblätter, S. 138. [55] Landersdorfer, Weiße Rose, S. 854. [56] Siefken, Die Weiße Rose und ihre Flugblätter, S. 139. [57] Petry, Studenten aufs Schafott, S. 28. [58] Landersdorfer, Weiße Rose, S. 858. [59] Vgl. hierzu Scholl, Die Weiße Rose, S. 16; Siefken, Die Weiße Rose und ihre Flugblätter, S. 149. [60] Jens, Hans Scholl. Sophie Scholl, S. 130. [61] Jens, Hans Scholl. Sophie Scholl, S. 131. [62] Steffahn, Weiße Rose, S. 35f. [63] Jens, Hans Scholl. Sophie Scholl, S. 103f, 211, 222. [64] Vgl. dazu verschiedene Tagebuchaufzeichnungen und Briefe in Jens, Hans Scholl. Sophie Scholl, passim. [65] Vinke, Das kurze Leben, S. 78. [66] Siefken, Die Weiße Rose und ihre Flugblätter, S. 128f. [67] Zit. nach Petry, Studenten aufs Schafott, S. 16. [68] Petry, Studenten aufs Schafott, S. 17. [69] Petry, Studenten aufs Schafott, S. 18. [70] Breyvogel, Die Gruppe Weiße Rose, S. 171, 184. [71] Petry, Studenten aufs Schafott, S. 18. [72] Siefken, Die Flugblätter der Weißen Rose, S. 119f. [73] Steffahn, Weiße Rose, S. 44. [74] Petry, Studenten aufs Schafott, S. 20. [75] Nach Petry, Studenten aufs Schafott, S. 21. [76] Siefken, Die Flugblätter der Weißen Rose, S. 120-123. [77] Moll, Weiße Rose, S. 448. [78] Knoop-Graf, Widerstand am Beispiel Willi Graf, S. 222f. [79] Knoop-Graf, Hochverräter?, S. 56. [80] Vieregg, Christlicher Jugendwiderstand, S. 42. [81] Knoop-Graf, Hochverräter, S. 52-57. [82] Knoop-Graf, Hochverräter, S. 59. [83] Vieregg, Christlicher Jugendwiderstand, S. 46. [84] Petry, Studenten aufs Schafott, S. 24. [85] Huber, Kurt Hubers Schicksalsweg, S. 26-33. [86] Petry, Studenten aufs Schafott, S. 46. [87] Huber, Kurt Hubers Schicksalsweg, S. 34. [88] Petry, Studenten aufs Schafott, S. 47. [89] Petry, Studenten aufs Schafott, S. 34. [90] Vgl. hierzu die Ausführungen von Petry, Studenten aufs Schafott, S. 32-36. Er nennt hier z. B. die Studentenkompanie, die Teilnahme am Bachchor, an einem Zeichenkurs oder der regelmäßige Besuch von bestimmten Konzerten. [91] Vgl. zum Aspekt der Freundschaft: Jens, Biographische und kulturelle Traditionen, S. 208f. [92] Kriterium für die im Folgenden namentliche Nennung ist, dass die Person später verhört oder angeklagt wurde. [93] Landersdorfer, Weiße Rose, S. 860. [94] Knoop-Graf/Jens, Briefe und Aufzeichnungen, S. 37. [95] Bretschneider, Widerstand in München, S. 180. [96] Davon sind alle Autoren überzeugt, beispielhaft: Jens, Hans Scholl. Sophie Scholl, S. 65; Petry, Studenten aufs Schafott, S. 36f., 52f.; Breyvogel (Die Gruppe Weiße Rose, S. 214) geht sogar noch weiter und behauptet, dass ohne den Einfluss Carl Muths die ersten vier Flugblätter gar nicht verfasst worden wären. [97] Jens, Hans Scholl. Sophie Scholl, S. 66. [98] Petry, Studenten aufs Schafott, S. 40f. [99] Scholl, Die Weiße Rose, S. 38; Petry, Studenten aufs Schafott, S. 43. [100] Jens, Hans Scholl. Sophie Scholl, S. 33. [101] Jens, Hans Scholl. Sophie Scholl, S. 34-39. [102] Petry, Studenten aufs Schafott, S. 24. [103] Knoop-Graf/Jens, Briefe und Aufzeichnungen, S. 147. [104] Knoop-Graf/Jens, Briefe und Aufzeichnungen, S. 44. [105] Petry, Studenten aufs Schafott, S. 66-72. [106] Knoop-Graf/Jens, Briefe und Aufzeichnungen, S. 72. [107] Scholl, Die Weiße Rose, S. 48f. [108] Petry, Studenten aufs Schafott, S. 71. [109] Petry, Studenten aufs Schafott, S. 71. [110] Siefken, Die Weiße Rose und ihre Flugblätter, S. 121f. [111] Siefken, Die Weiße Rose und ihre Flugblätter, S. 156f. [112] Bretschneider, Widerstand in München, S. 183. [113] Verschiedene Meinungen dazu: Petry, Studenten aufs Schafott, S. 52; Landersdorfer, Weiße Rose, S. 862; Moll, Weiße Rose, S. 466.
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