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Sport ist nicht unpolitisch, war er noch nie. Besonders deutlich wird dies im Dritten Reich, wo die Durchdringung ideologischen Zwecken diente. Was herauskommt, wenn man wie Hitler einen „zwar wissenschaftlich wenig gebildeter, aber körperlich gesunder Mensch mit gutem, festem Charakter, erfüllt von Entschlußfreudigkeit und Willenskraft" fordert, musste man leider nach 12 Jahren des angeblich tausendjährigen Reiches erfahren. Einige "geistreiche Schwächlinge" (Hitler) wären sicherlich besser gewesen als "ein Volk hirnloser Arier, an dessen Spitze der arischte aller Spinner stand". (DUEDA) Die nachfolgende Arbeit versucht die perfide Ideologisierung des Sports im Dritten Reich zu untersuchen, die allerdings schon Vorläufer in der Zeit vor Hitler hatte.
Leibesertüchtigung und Sportunterricht im Dritten Reich unter Berücksichtigung der Entwicklung des Sports in Deutschland Hausarbeit zum Proseminar Schule und Erziehung im Dritten Reich bei Dr. J. Charnitzky an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg von Rüdiger Jörg Geschichte/Geographie (LA) 3. Fachsemester Inhaltsverzeichnis: 1. Einleitung Seite 3 2. Leibesertüchtigung in Deutschland vor dem Dritten Reich 4 2.1. Die deutsche Turnbewegung von den Anfängen bis zur Reichsgründung 4 2.2. Das Turnen im deutschen Kaiserreich 5 2.3. Die Entwicklung des Schulsports 7 2.4. Sport in der Weimarer Republik 8 3. Leibesertüchtigung im Dritten Reich 9 3.1. Die ideologische Grundlage 9 3.2. Sportunterricht an der nationalsozialistischen Schule 10 3.2.1. Schulsport in der Phase der Machtergreifung und Machtsicherung 1933-36 10 3.2.2. Schulsport in der Phase der Vereinheitlichung des Bildungswesens 1937-39 12 3.2.3. Schulsport während des Krieges 12 3.3. Die Rolle der HJ 13 3.4. Der Wehrsport 14 4. Schlußbetrachtung 15 5. Literaturverzeichnis 17 1. Einleitung Noch heute unterliegen viele dem Fehlurteil, daß Sport etwas Unpolitisches sei. Daß dem nicht so ist, beweist die überaus rege Kontroverse beim kürzlich stattgefundenen Fußballänderspiel Deutschland-Israel.[1] Sport ist und war ein Politikum und dies gilt ganz besonders für die Zeit des Nationalsozialismus. Dabei stellt sich aber die Frage, inwieweit der Sport von der nationalsozialistischen Ideologie durchdrungen war. Ebenso muß man betrachten, ob der Anspruch der Ideologie der Wirklichkeit gerecht wurde. Sport kann unter verschiedenen Umständen, mit unterschiedlichen Inhalten und in verschiedenen Formen und Institutionen betrieben werden. Da im Nationalsozialismus praktisch alles gleichgeschaltet wurde, gilt es hier zu prüfen, inwiefern dies auch für den Sport galt. Wo fanden Sport und Leibesertüchtigung statt und welche Inhalte hatten sie? Deutschland während des Dritten Reiches war vom Militarismus durchdrungen. Galt dies auch für den Sport und war das vorrangige Ziel des Sports die körperliche Ausbildung der Jugend zum Soldaten? Die Zeit des Nationalsozialismus wurde von vielen als Einschnitt in der Geschichte gesehen und von den Nationalsozialisten auch als solcher propagiert. Vieles weist aber auch in dieser Zeit auf eine gewisse Kontinuität hin. So ist es sicherlich auch interessant, für den Sport zu zeigen, was speziell neu ist, was nur leicht abgewandelt wurde und was einfach übernommen wurde. Dazu ist es aber auch nötig, die Entwicklung des Sports in Deutschland kurz darzulegen und, um durchgehende Kontinuitäten aufzuzeigen, beim Begründer des deutschen Turnens, Friedrich Ludwig Jahn, zu beginnen. Nur so kann gezeigt werden, welche Veränderungen spezifisch nationalsozialistisch und welche schon vorher angelegt waren. Sport und Leibesertüchtigung sind ein komplexes und umfangreiches Thema. Der Versuch einer umfassenden und detaillierten Darstellung aller Aspekte würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Deshalb wurden vornehmlich der Bereich des Jugendsports und insbesondere der des Schulsports behandelt. Dabei trat aber das Problem auf, daß sich nur wenige Arbeiten speziell mit dem Schulsport und dem Jugendsport beschäftigten und sich nur zwei davon direkt auf den Sportunterricht an der nationalsozialistischen Schule bezogen, wenn auch diese Arbeiten von Bernett und Pfeiffer sehr detailliert und umfassend sind. Diese stützen sich auf die Auswertung einzelner Jahresberichte der verschiedenen Schulen im Reich, die diese an den Oberpräsidenten ihrer Provinz schicken mußten. Die anderen Arbeiten sind allgemeine Werke, die sich mit der Geschichte des Sports beschäftigen und nur ein, wenn auch recht umfangreiches, Kapitel zum Nationalsozialismus haben, oder Bücher, die den politischen Aspekt des nationalsozialistischen Sports behandeln. Als Quellen hätte man zeitgenössische Aufsätze der leibeserziehenden Zeitschriften oder Zeitschriften des NSLB heranziehen können. Diese standen aber aus sicherlich verständlichen Gründen nicht zur Verfügung. Andere Quellen sind die amtlichen Erlasse und Richtlinien sowie hinsichtlich der Ideologie Hitlers „Mein Kampf“. Zur Begriffserläuterung sollte noch gesagt werden, daß es in der Frühzeit des Sports noch eine klare Abgrenzung von Turnen, Sport und Gymnastik gab. Da dies aber für diese Arbeit nicht relevant ist, werden die Begriffe spätestens ab dem Kapitel über die Weimarer Republik nebeneinander und ohne Bedeutungsunterschied benutzt. 2. Leibesertüchtigung in Deutschland bis zum Dritten Reich 2.1. Die deutsche Turnbewegung von den Anfängen bis zur Reichsgründung Die Entstehung der deutschen Turnbewegung ist eng mit dem Wirken von Friedrich Ludwig Jahn verbunden. Der 1778 geborene Jahn studierte Geschichte und Deutsch und machte 1803 seinen Abschluß. Danach nahm er eine Stelle als Hauslehrer in Mecklenburg an und befaßte sich eingehend mit der deutschen Geschichte und der deutschen Sprache. In dieser Zeit begann er mit Wanderungen für seine Schüler, die er mit volkstümlichen Spielformen auflockerte. Aus diesen anfänglich sporadisch durchgeführten Leibesübungen entwickelte sich ein regelmäßiges Turnen. 1811 begann er, inzwischen in Berlin, mit dem Turnen auf dem ersten Turnplatz auf der Hasenheide. Jahn sah dieses Turnen immer in engem Zusammenhang mit politischen Zielen, die er in seinem 1810 erschienen Buch „Das Deutsche Volkstum“ darlegte. Erstens wollte er die Befreiung Deutschlands von der napoleonischen Fremdherrschaft, zweitens ein künftiges deutsches Reich unter Führung Preußens und drittens die Schaffung einer Verfassung, die dem ganzen Volke staatsbürgerliche Rechte sichern sollte. Im Turnen sah Jahn die Möglichkeit der Wehrhaftmachung des deutschen Volkes für den künftigen Kampf für das Vaterland. Und so zogen auch 1813, im Jahr der Volkserhebung gegen die napoleonische Fremdherrschaft, Jahn und die meisten seiner Schüler organisiert in den Freikorps ins Feld. Nach dem Sieg über Napoleon war nur eines der Ziele Jahns erreicht, und die Ergebnisse des Wiener Kongresses sowie die Restaurationspolitik riefen tiefe Enttäuschung bei Jahn und den Turnern hervor. Wegen seiner nationalen Bestrebungen, die er auch bei zahlreichen Vorträgen in den nächsten Jahren verkündete, geriet er in zunehmende Opposition zur Regierung. Hinzu kamen noch Differenzen zwischen ihm und den Behörden, weil diese das Turnen unter staatliche Aufsicht stellen und als Erziehungsmittel in den Schulen einsetzen wollten.[2] Dieses und die Nähe der Turnerschaft zu den neu entstehenden Burschenschaften führten letztendlich dazu, daß das öffentliche Turnen 1820 verboten wurde und nur noch unter Aufsicht der Schulen stattfinden durfte.[3] In der Zeit der „Turnsperre“ fanden Turnübungen zuerst verdeckt statt und im Laufe der Zeit wurde das Verbot immer weiter gelockert. 1842 kam es zur Aufhebung des Turnverbots und neue Vereine wurden gegründet, die schnell zeigten, daß sie der national-revolutionären Bewegung angehörten.[4] 1848 wurde der Deutsche Turnverein als Dachorganisation gegründet, der u. a. den Zweck hatte, für die Einheit des deutschen Volkes tätig zu sein und die körperliche und geistige Kraft des Volkes zu heben.[5] Verschiedene Turner und Turnvereine waren auch unterschiedlich stark in die Ereignissen der Jahre 1848/49 involviert. Nach der gescheiterten Revolution wurde das Turnwesen durch staatliche Seite wieder stark behindert und erst ab 1864 kam es wieder zu einem Aufschwung der Turnvereine. Zu dieser Zeit gewann auch die Wehrfrage eine immer größere Bedeutung innerhalb der Turnvereine. Die Deutsche Turnzeitung veröffentlichte Artikel zu Wehrturnen, Wehrgymnastik und Militärgymnastik. Bajonettfechten, Exerzieren und Schießen sollten Bestandteile des Turnens werden und Turnern sollte eine verkürzte Militärzeit zugebilligt werden.[6] So ist es auch nicht verwunderlich, daß ein Großteil der Turner in den Kriegen 1866 und 1870/71 mitkämpfte. Und 1871 war dann endlich mit der Einheit des deutschen Volkes das Ziel erreicht, das die Turner seit Jahn kontinuierlich verfolgt hatten. 2.2. Das Turnen im deutschen Kaiserreich Die Ziele der deutschen Turnbewegung blieben auch nach der Gründung des Kaiserreiches dieselben. Sie wollten dem Vaterland tapfere junge Menschen erziehen. Dabei galt der Dienst am Vaterland als etwas ethisch Höheres und sollte alle politischen Richtungen einen. Deswegen ließ das politische Engagement der Turnvereine etwas nach.[7] Das Ziel der Gründung eines Nationalstaates war bis 1871 entscheidend gewesen. Nun trat das Ziel der inneren Festigung und der äußeren Sicherung in den Vordergrund. Mit dem Sieg über Frankreich hatte sich das Deutsche Reich als europäische Großmacht etabliert. Ein starkes Heer sollte diese Stellung garantieren. Deshalb wollten die Turner die Wehrtauglichkeit und die Wehrhaftigkeit des Volkes verbessern. Es wurden Kontakte zur Reichskriegsführung gesucht und die Deutsche Turnerschaft, der nun etablierte Dachverband der deutschen Turner, empfahl sich immer wieder als geeignete Institution zur Wehrvorbereitung der Jugend.[8] Das Ziel der inneren Festigung zeigte sich in dem Engagement für den deutschen Nationalstaat. Die Turnvereine verbreiteten die nationalen Symbole. Das rege Vereinsleben umfaßte auch das Errichten und Einweihen von Nationaldenkmälern. Hinzu kamen noch Aktivitäten für das Staatsvolk. Während der Zeit des Kulturkampfes unterstützten die Turner Bismarck und nach Verkündung der Sozialistengesetze schlossen sie Sozialisten aus den Vereinen aus und wandten sich mit Äußerungen gegen den nach Rom gerichteten Katholizismus und die internationale Arbeiterbewegung. Katholiken und Sozialisten galten den Turnern wegen ihrer internationalen Bindungen als Reichsfeinde und wurden wie auch die nichtdeutschen Gruppen im Reich als Fremdkörper angesehen.[9] Als Bewahrer des deutschen Volkstums und der deutschen Kultur vor Überfremdung kümmerten sich die Turner auch um die deutsche Sprache, veröffentlichten in ihren Turnzeitungen Gedichte, sangen Lieder und schrieben Aufsätze und Reden, die sich vornehmlich mit der Verherrlichung von Volk, Vaterland, Heimat, deutscher Natur und Geschichte beschäftigten.[10] Desweiteren entwickelten sie einen Antisemitismus, der sich nicht nur in der argwöhnischen Beobachtung von jüdischen Turnvereinen äußerte, sondern auch in der Einführung von Arierparagraphen in einigen Turnvereinen.[11] In den achtziger Jahren des 19. Jh. begannen die kolonialen Aktivitäten der europäischen Großmächte. Dabei spielten sowohl wirtschaftliche Interessen als auch die Sucht nach Weltgeltung und einer Weltmachtstellung eine Rolle. Auch im Deutschen Reich wurde der Besitz von Kolonien als Garant für eine Weltmachtstellung gesehen, die für viele sogar als Bedingung für die nationale Existenz galt. Auch die Turner waren überzeugt, daß Deutschland ein „Platz an der Sonne“ zustehe. So entwickelten sie innerhalb weniger Jahre imperialistisches Gedankengut und verbreiteten dies in ihren Vereinen und ihren Publikationen. Dadurch machte sich die Deutsche Turnerschaft zu einem der Träger imperialistischer Politik in Deutschland. Deutschland sollte als Weltmacht den Weltfrieden garantieren und auf der Welt mit deutschen Gesetzen für Ordnung sorgen.[12] In den neunziger Jahren kümmerte sich die Deutsche Turnerschaft verstärkt um die Verbesserung der Wehrfähigkeit, meistens im Zusammenhang mit außenpolitischen Krisen, die die Weltmachtstellung des deutschen Reiches gefährdeten. Charakteristisch für diese Zeit ist auch die Kooperation der Turner mit den Militärs. Armee- und Zivilturnen wurden, wenn möglich, verbunden und in der Öffentlichkeit wurde viel über die Bedeutung des Turnens für das Militär gesprochen.[13] Der Kriegsbeginn 1914 wurde, wie in allen Teilen der deutschen Bevölkerung, freudig von den Turnern begrüßt und eine große Anzahl von ihnen meldete sich schon zu Beginn freiwillig zum Kriegsdienst. Auch noch während des Krieges waren die Turner die begeistertsten Verfechter expansiver deutscher Kriegsziele und propagierten imperialistische Forderungen.[14] 2.3 Die Entwicklung des Schulsport Die preußische Staatsführung sah das Turnen Jahns bis 1817 mit Wohlwollen. Erst als sich der Gegensatz zwischen den politischen Ansichten Jahns und der restaurativen Politik abzeichneten, sah die preußische Staatsführung ein Problem in der nicht überwachten Freizügigkeit der Turner und wollte sie, wie an den Universitäten und Schulen schon geschehen, der Kontrolle und Überwachung unterwerfen. Dazu war die Anbindung des Turnens an die staatliche Erziehung ihrer Meinung nach am besten geeignet. Ein Entwurf einer „Allgemeinen Turnordnung“ sah deshalb die Einführung des Sportunterrichts auch während der schon erwähnten Turnsperre vor, welche aber nicht die Zustimmung des Königs fand. Aus diesem Entwurf läßt sich aber schon erkennen, in welche Richtung die Leibesertüchtigung an den Schulen gehen sollte: Leibesertüchtigung als wehrhafte Vorschule der Jugend für den Militärdienst.[15] 1827 wurden dann Leibesübungen in das Ausbildungsprogramm von Schullehrern übernommen, nachdem schon früher nach der freiwilligen Einführung des Turnunterrichts an vielen Schulen ein Mangel an qualifizierten Lehrern erkannt worden war. 1837 kam dann auch die förmliche Genehmigung des Kultusministeriums, die bis dahin stillschweigend geduldeten Leibesertüchtigung an den Gymnasien zu erlauben.1842 wurde der Turnunterricht an den preußischen Schulen offiziell eingeführt. Dabei wurde das Schulturnen der männlichen Jugend vom Gedanken der Vorschule für den Militärdienst beherrscht. Die Eigenschaften und Verhaltensweisen, die für den Militärdienst förderlich sind, wurden zu den Leitzielen des neuen Unterrichtsfaches. Diese einseitige Ausrichtung des Turnunterrichts blieb bis 1918, abgesehen von einigen methodischen und inhaltlichen Veränderungen, erhalten.[16] 2.4. Sport in der Weimarer Republik Die Weimarer Republik hatte von Anfang an unter Vorbelastungen zu leiden. Der Krieg hatte schwere Verluste an Menschen und Material gebracht und die Menschen standen noch unter dem Eindruck des verlorenen Krieges. Die Wirtschaft des Deutschen Reiches lag am Boden und die Bedingungen des Versailler Vertrages waren äußerst hart. Die Inflation und die Arbeitslosigkeit waren hoch. Dies alles führte zu immer neuen innenpolitischen Krisen und trug zur Unsicherheit in der Bevölkerung bei. Im Gegensatz zu den innenpolitischen, außenpolitischen und wirtschaftlichen Problemen entwickelte sich aber das geistige, kulturelle und wissenschaftliche Leben. Auch die sportlichen Aktivitäten nahmen in dieser Zeit zu. Das Vereinswesen trat in einer neuen Blüte auf. Viele strömten in die neugegründeten Vereine und das Vereinsleben wurde in vielerlei Hinsicht belebt. Sportlager wurden gegründet und die Sportmedizin weiterentwickelt zur Sportwissenschaft.[17] Das teilweise schon vor dem Krieg bestehende rege Wettkampfwesen wurde weiter ausgebaut und auf verschiedenen Ebenen durchgeführt.[18] In dieser Zeit wurde auch der Turnhallen- und Sportstättenbau forciert, nicht zuletzt auch auf Druck der zahlenmäßig und damit politisch immer stärkeren Vereine und Verbände. Einen größeren Zuwachs an Sportstätten hatte es bisher nicht gegeben und sollte es auch bis nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr geben.[19] Diese Entwicklung beeinflußte natürlich auch den Schulsport. Schon 1919 wurde die Einführung der täglichen Sportstunde gefordert.[20] Diese konnte zwar auf der 1920 stattfindenden Reichsschulkonferenz in Berlin nicht durchgesetzt werden, aber auf dieser Konferenz, auf der reformpädagogische Vorschläge in die Praxis der Schule umgesetzt wurden, wurden auch die Leitsätze für einen zeitgemäßen Turnunterricht entwickelt.[21] Ergebnis waren 3 Stunden Sport, 1 Spielnachmittag pro Woche und monatlich 1 Wandertag.[22] Dies und die Relevanz der Sportnote für die Reifeprüfung[23] zeigt die Aufwertung, die der Sport in der Schule der Weimarer Republik erfahren hat. Infolge der Lehrplanreform von1925 kam es zu einer Verkürzung des Sportunterrichts auf 2 Wochenstunden. Der Spielnachmittag und die Wandertage blieben aber erhalten. Damit waren die Kürzungen aber noch nicht beendet. Die Sparmaßnahmen, die Brüning infolge der Weltwirtschaftskrise ergreifen mußte, setzten das Stundenkontingent an den Schulen herunter. Folge war die Verkürzung des beliebten Spielnachmittags auf 1 Stunde und die Zusammenfassung von Klassen zu sog. Turnabteilungen.[24] Die Schüler wichen in die Schülersportvereine aus. Diese waren von den Schulen schon zu Anfang der Weimarer Republik eingerichtet worden und sollten ein Sportangebot über den normalen Unterricht hinaus bieten. Dabei waren die Angebote weit gefächert, interessant und hatten deswegen großen Zulauf. 3. Leibesertüchtigung im Dritten Reich 3.1. Die ideologische Grundlage Die ideologische Grundlage des Nationalsozialismus ist Hitlers „Mein Kampf“. Darin legt Hitler auch seine Meinung über die Erziehung im völkischen Staat dar. Da die wichtigste Aufgabe des Staates seiner Meinung nach „die Erhaltung, Pflege und Entwicklung der besten rassischen Elemente“ ist, „muß die Erziehung zuallererst die körperliche Gesundheit ins Auge fassen und fördern.“[25] Sie darf nicht aus dem „Einpumpen bloßen Wissens“ bestehen, sondern das „Heranzüchten kerngesunder Körper“ ist das Ziel.[26] Für Hitler ist ein „zwar wissenschaftlich wenig gebildeter, aber körperlich gesunder Mensch mit gutem, festem Charakter, erfüllt von Entschlußfreudigkeit und Willenskraft, für die Volksgemeinschaft wertvoller als ein geistreicher Schwächling.“[27] Deshalb muß nach Hitler die Schule im völkischen Staat „unendlich mehr Zeit freimachen für die körperliche Ertüchtigung.“[28] Hinter diesen Äußerungen steht der Gedanke, daß sich das deutsche Volk im rassischen Kampf mit anderen Völkern befindet. Und nur ein gesunder Körper kann den Sieg garantieren. Die Leibesertüchtigung soll die Jungen auf diesen Kampf vorbereiten. Die Mädchen dagegen werden mit einem gesunden Körper ihrer Rolle als werdende Mutter gerecht. Nach der körperlichen Ertüchtigung steht nach Hitler die Formung der geistigen Fähigkeiten an zweiter Stelle der Aufgaben des völkischen Staates in der Erziehung. Und dabei soll besonderer Wert auf die „Entwicklung des Charakters“ gelegt werden.[29] Charakterstärke solle im Dienste des Volkes und des Volkstums stehen. Dabei ist Individualität nicht gefragt. Die Ausbildung der Willens- und Entschlußkraft sowie die Erziehung der Verantwortungsfreudigkeit sollen mit der Ausbildung des Charakters einhergehen.[30] Für die NS-Ideologie war also die Leibesertüchtigung ein zentraler Punkt und diente der Volksgesundheit, der Rassenreinheit und der Wehrertüchtigung. Deshalb ist auch die Umsetzung in der Schule eines der wichtigsten propagierten Ziele gewesen. 3.2. Sportunterricht an der nationalsozialistischen Schule Die Nationalsozialistische Erziehungspolitik läßt sich in drei Phasen einteilen:[31] die Phase der Machtergreifung und Machtsicherung 1933-36, die Phase der Vereinheitlichung des Bildungswesens 1937-39 und die Zeit der durch den zweiten Weltkrieg bedingten Improvisationen. Diese drei Phasen lassen sich auch im Sportunterricht erkennen. Für den Sportunterricht, wie auch für den Rest der Schule, kann man kein klares Konzept nationalsozialistischer Schulpolitik erkennen. Aufgrund dieses fehlenden Konzepts wurde auch am Anfang nichts an der Grundstruktur des öffentlichen Schulwesens verändert. Dennoch lassen sich Veränderungen der Ziele, des Inhalts und der Methoden erkennen, die oft aber von den Schulen abhingen und regional verschieden waren. Grundlage für diese Veränderungen sind die Aussagen Hitlers in „Mein Kampf“ und die Rede des Reichsinnenministers Frick vom 9.5.1933. Dabei wird die Erziehung zu Wehrhaftigkeit besonders betont. 3.2.1. Schulsport in der Phase der Machtergreifung und Machtsicherung 1933-36 Die Länder paßten sich der neuen kulturpolitischen Lage nach der Regierungsübernahme der Nationalsozialisten an, obwohl sie noch ihre Kulturhoheit besaßen. Besonders die Leibesübungen erhielten eine Aufwertung. Schon 1933 rief mancher nach der täglichen Sportstunde, was aber aufgrund der finanziellen Lage nicht möglich war.[32] Mehrere Erlasse der verschiedenen Kultusministerien beziehen sich aber auf die Erhöhung der Stundenzahlen des Sportunterricht. Und auch inhaltlich wurde der Sportunterricht verändert. Wehrsportliche Elemente wie Hindernislaufen, Klettern, Kriechen und Kleinkaliberschießen wurden aufgenommen. Im Oktober 1933 wurde in Preußen die Kommandosprache der SA bei Geländesportübungen und Ordnungsübungen im Turnunterricht eingeführt. In Sachsen sollten die Schulen sogar Hindernisbahnen anlegen. [33] Dennoch läßt sich kein klares Konzept hinter diesen Erlassen erkennen. Daran änderte sich auch nichts durch die Einrichtung des Reichserziehungsministeriums im Jahr 1934, obwohl nun zum ersten Mal in der deutschen Geschichte das gesamte Bildungs- und Erziehungswesen einer zentralen Führung und Verwaltung auf Reichsebene unterstellt wurde und damit dem Zugriff des nationalsozialistischen Machtapparates ausgeliefert war. Im Reichserziehungsministerium wurde das Amt für körperliche Erziehung eingerichtet. Mit der Einrichtung eines eigenen Referates wurde die Bedeutung der Leibesertüchtigung unterstrichen. Signifikant ist, daß Carl Krümmel zum Chef dieses Amtes K ernannt wurde. Krümmel war ein Experte für Wehrerziehung, der als Lehrer an der Heeressportschule in Wünsdorf gearbeitet und anschließend die Abteilung Geländesport der SA geleitet hatte.[34] Ebenfalls in das Jahr 1934 fiel die Einführung des Staatsjugendtages, der für die Leibesertüchtigung wichtig war, für die Schule aber verheerende Folgen hatte. Auf den Staatsjugendtag wird aber noch im Zusammenhang mit der HJ näher eingegangen. 1935 wurde an den höheren Lehranstalten des Reiches die 3. Turnstunde eingeführt. Das Ungewöhnliche daran war, daß diese direkt aus dem Reichshaushalt finanziert wird. Dies war nur möglich, da der Antrag zur Bewilligung der Mittel mit der Bedeutung für die Landesverteidigung begründet wurde. Der Reichserziehungsminister Rust erhoffte sich eine verstärkte Erziehung der vormilitärischen Jugend und eine rasche Hebung der Volks- und Wehrkraft. So stand auch der Reichskriegsminister voll hinter dem Antrag und Hitler selbst stimmte ausdrücklich zu. Die Einführung der 3. Turnstunde war demnach keine pädagogische Reform, sondern eine politische Entscheidung.[35] Die Einführung brachte eine ganze Reihe von Problemen mit sich. Vielen Schulen mangelte es an geeigneten Sportstätten. Oft waren nicht genügend ausgebildete Sportlehrer vorhanden und nicht selten kollidierte die 3. Sportstunde mit dem Staatsjugendtag, obwohl dies ausdrücklich untersagt war. Es kann aber davon ausgegangen werden, daß die 3. Sportstunde in den meisten Jungenklassen noch im Schuljahr 1935/36 eingeführt wurden. Die Mädchenklassen wiesen dagegen einen starken Rückstand auf.[36] 3.2.2. Schulsport in der Phase der Vereinheitlichung des Bildungswesens 1937-39 Mit der Einführung der 3. Turnstunde als „reichswichtige“ Aufgabe, hatte die Leibeserziehung politisches Gewicht bekommen. So ist es auch nicht verwunderlich, daß mit dem Schuljahr 1937/38 der Sportunterricht weiter ausgedehnt wurde. Es kam zur Einführung der 5. Sportstunde. Die näheren Umstände der Einführung sind nicht bekannt, aber Indizien weisen wiederum auf eine politische Entscheidung und nicht auf eine pädagogische Reform.[37] Ebenfalls 1937 wurde mit den Richtlinien für die Leibeserziehung an Jungenschulen der erste fachspezifische Lehrplan herausgegeben. Die Lehrpläne für die anderen Fächer folgten erst in den nächsten Jahren.[38] Dies unterstreicht nochmals die Bedeutung des Sportunterrichtes für die nationalsozialistische Schulpolitik. 3.2.3. Schulsport während des Krieges Die nationalsozialistische Politik hatte einen Krieg schon von Anfang an einkalkuliert. So gehörte es schon seit dem Beginn der nationalsozialistischen Diktatur zu einer der Aufgaben der Schulen den Luftschutz zu üben, da Deutschland aufgrund seiner geographischen Lage und seiner Bevölkerungsdichte als äußerst luftgefährdet galt. An vielen Schulen wurden schon Mitte der dreißiger Jahre Luftschutzeinrichtungen besichtigt und, als sich ein Krieg abzuzeichnen begann, Luftschutzübungen durchgeführt. Auch wurde teilweise die Ausbildung zu Luftschutzhelfern an den Sportunterricht gekoppelt.[39] Ein Problem, das sich für die Schulen durch die Kriegsvorbereitungen und den Krieg ergab, war die Inanspruchnahme schulischer Einrichtungen durch die Wehrmacht und die Reichsstelle für Getreide. 1938 gab es eine Rekordernte, was den Plan erleichterte, für den bevorstehenden Krieg Getreidevorräte anzulegen. Da die normalen Kapazitäten zur Lagerung schnell ausgeschöpft waren, griff man per Erlaß auf Turnhallen zurück, die man kurzerhand zu Getreidespeicher umfunktionierte[40]. Dies führte dazu, daß an einigen Schulen der Sportunterricht nur bedingt stattfinden konnte oder sogar ausfiel. Infolge von Truppenverlegungen wurden viele Turnhallen auch als Quartiere für die Wehrmacht gebraucht, was dieselben Folgen hatte.[41] Mit Beginn des Krieges wurden viele Schulen geschlossen und der Unterricht erst nach einigen Wochen bzw. Monaten wiederaufgenommen, allerdings mit erheblichen Einschränkungen. Der Sportunterricht war davon besonders betroffen. Dadurch war die Umsetzung der 1938/39 eingeführten neuen Lehrpläne nicht mehr in vollem Umfang möglich. Auch die Einführung der neuen Richtlinien für den Turnunterricht an Mädchenschulen 1941 war nur noch auf dem Papier gegeben. Mit der Einberufung von Lehrern zur Wehrmacht und dem Kriegseinsatz von Schülern als Erntehelfer kam der geregelte Ablauf des Schulunterrichts völlig zum erliegen.[42] 3.3 Die Rolle der HJ Vor 1933 hatte die HJ noch keine große Bedeutung, war zahlenmäßig schwach und politisch belanglos.[43] Nach der Machtübernahme änderte sich dies schlagartig. Sie erhob den Anspruch der alleinigen Jugendvertretung im Deutschen Reich und erreichte, daß bis 1934 die meisten unabhängigen Jugendgruppen mit Ausnahme der katholischen Jugendgruppen, die durch das Konkordat geschützt waren, einverleibt wurden.[44] Und bis 1936 hatte sie die Eingliederung aller Jugendsportvereine erreicht.[45] Sie war damit die einzige effektive Jugendorganisation im Reich. Die HJ erhob den Anspruch, die Jugend im nationalsozialistischen Sinne zu erziehen und mußte dabei zwangsläufig in Konflikt mit den etablierten Erziehungsmächten geraten. Und obwohl Schule und HJ immer ihren Willen zur Zusammenarbeit bekundeten, tat sich hier ein spannungsreiches Konfliktfeld auf. Diese Konflikte fanden sowohl auf lokaler Ebene, zwischen Schule und HJ am Ort, wie auch auf höchster Ebene, zwischen dem Reichserziehungsministerium und der Reichsjugendführung, statt.[46] Die HJ sah besonders die höheren Schulen als Relikt des bürgerlichen Standesbewußtseins. Dies war mit dem Anspruch der NSDAP als Arbeiterpartei und der HJ als deren Jugendorganisation nicht vereinbar.[47] Außerdem verursachte die andauernde Freistellung von Schülern vom Unterricht für Aufgaben in der HJ immer wieder Probleme. Die Einführung des Staatsjugendtages 1934 für die 10-14jährigen brachte zusätzliche Probleme vornehmlich organisatorischer Art mit sich. Mit diesem freien Samstag wurde der HJ ein Tag für ihre Erziehungsarbeit zugestanden. Da aber noch nicht alle Jugendlichen in der HJ organisiert waren, mußte für den Rest der Klassen ein Ersatz gefunden werden. Die Führerschaft dieser Jahrgänge, die meist den höheren Klassen angehörten, mußten dazu noch freigestellt werden. So durfte der Samstagsunterricht nicht prüfungs- oder versetzungsrelevant sein. Desweiteren wurde, um den Heimabend der HJ am Mittwoch nicht zu beeinträchtigen, auch noch der beliebte Spielnachmittag geopfert.[48] Die HJ versuchte immer mehr Einfluß zu erlangen und stellte immer mehr Forderungen, die auch den Unterricht an der Schule betrafen. Mit dem Gesetz über die HJ von 1936 wurde sie zur einzigen Jugendorganisation im Reich. Damit wurde auch der Staatsjugendtag überflüssig und deshalb abgeschafft. Die HJ hatte erkannt, daß man die Jugendlichen nur an sich binden konnte, wenn man ihr die Möglichkeit zum Sporttreiben verschaffte. So bot sie eine Vielzahl sportlicher Aktivitäten an. Besonders attraktiv waren die technischen Angebote wie Motor-, Flieger-, Marine- und Nachrichten-HJ. Einen großen Wert legte die HJ auf den Wehrsport, der aber im folgenden Kapitel noch näher erläutert wird. Außerdem führte sie eine Menge eigener Sportabzeichen ein, um mit dem vorhandenen System sportlicher Auszeichnungen konkurrieren zu können. Eine große Zahl von Sportfesten auf allen Ebenen löste das weit verbreitete Wettkampfwesen der Schulen ab.[49] Mit diesen Maßnahmen und einer starken Inanspruchnahme der Jugendlichen lief sie den Schulsportvereinen, die sich seit der Weimarer Republik einer großen Beliebtheit erfreuten, den Rang ab.[50] Mit der Jugenddienstverordnung 1939 wurde die Mitgliedschaft in der HJ zur Pflicht für alle Jugendlichen. Wenn sich auch die offene Konfrontation zwischen HJ und Schule mit der Zeit abschwächte, so schwelte der Konflikt weiter. So stellte noch 1939 der Sicherheitsdienst der SS fest, daß sich das Verhältnis zwischen Lehrern und HJ weiter verschlechtert habe und eine klare Abgrenzung der leibeserzieherischen Tätigkeit fehle. Erst 1941 kam es unter dem Druck der Kriegssituation zu einer förmlichen Abgrenzung der Arbeitsgebiete zwischen Reichserziehungsministerium und Reichsjugendführung. 3.4. Der Wehrsport Der Gedanke der Wehrbarmachung findet sich in allen Bereichen der nationalsozialistischen Herrschaft. Das beste Mittel einer raschen Hebung der Wehrkraft war nach Meinung der Nationalsozialisten die wehrsportliche Ausbildung der Jugend. Besonders die Schule und die HJ waren damit gefordert. So fügten viele Schulen sofort nach der Regierungsübernahme der Nationalsozialisten wehrsportliche Elemente in den Sportunterricht ein. Ordnungsübungen, Geländesport und Kampfsportarten wurden eingeführt. Manschaftssportarten wie Fußball und Handball und das von Hitler favorisierte Boxen sollten den kämpferischen Geist wecken.[51] Viele Wandertage wurden mit wehrsportlichen Elementen angereichert[52] und oft wurde der Kontakt zur Wehrmacht am Ort gesucht. Ebenso wurde in vielen Schulen das Kleinkaliberschießen in Arbeitsgemeinschaften eingeführt, nachdem vom preußischen Kultusminister das Schießen in Schulräumen erlaubt worden war.[53] Die Richtlinien von 1937 betonten nochmals die Wehrerziehung als wichtigstes Ziel des Sportunterrichts.[54] Die dauerhafte Umsetzung des Wehrsports in der Schule scheiterte aber letztendlich an der HJ.[55] Diese zog den eigentlichen Wehrsport an sich. Sie veranstaltete in Lagern Geländeübungen, übte Marschieren, Schießen und militärische Ordnungsübungen.[56] Mit dem Wehrsport sollte allerdings keine militärische, sondern eher eine vormilitärische Ausbildung vermittelt werden. Ziel war vielmehr die Schaffung der körperlichen und charakterlichen Grundlagen des neuen deutschen Soldaten: Mut, Einsatzwille, Mannschaftsgeist, Schnelligkeit und Ausdauer.[57] Eine Ausnahme bildeten hier die NPEA. Hier erfolgte eine wirkliche militärische Ausbildung. Der Stoffplan sah 6-8 Wochenstunden Geländedienst vor, der Alarmübungen, die Ausbildung im Exerzieren und Marschieren, im Spähen, Melden, Sichern und Orientieren, im Fahrt- und Lagerdienst vorsah. Um die Schulung an allen Anstalten einheitlich zu gestalten, wurde die Ausbildungsvorschrift der Infanterie zugrundegelegt. Höhepunkte des Geländesports waren die Sommerübungen der NPEA, bei denen im Kampf der „Lebensfaden“ des Gegners, der diesen am rechten Armgelenk trägt, zerrissen werden sollte. 4. Schlußbetrachtung Mit dieser Arbeit soll gezeigt werden, daß der Sport den Maximen des Nationalsozialismus unterworfen war. Die Erziehung zur Wehrhaftigkeit stand im Vordergrund, gleichgültig ob in der Schule oder in der HJ. Dies war aber nichts spezifisch Nationalsozialistisches. Viele der von den Nationalsozialisten propagierten Ziele, Inhalte und Methoden der Leibeserziehung waren schon lange vorher bekannt. Sport hatte schon seit Jahn einen politischen Aspekt, die Wehrerziehung im Turnen und im Sport hatten schon eine lange Tradition. Das wirklich neue war die Breite der Durchsetzung dieser Aspekte des Sports. Eine so starke Militarisierung des Sports hatte sich vorher nicht oder nur zum Teil durchsetzen können. Erst der totalitäre Führerstaat bot die Möglichkeit dazu. Er hatte die Möglichkeit, die Wehrerziehung ideologisch aufzuwerten, er hatte die administrativen Mittel, sie durchzusetzen. Durch vielfältige Propaganda, Umerziehung und Auswechslung der Lehrerschaft war dies möglich. Auch die Gleichschaltung der vielen verschiedenen Sportmöglichkeiten in Schulen und Vereinen begünstigte diese Entwicklung. Sie lief aber in vielen Bereichen unterschiedlich schnell ab. Manche Schulen wehrten sich gegen sie, manche nahmen sie hin und viele unterstützten sie. Das einzige, was sich aber massiv gegen diese Entwicklung stellte, war die Realität. Die kleinen und großen Machtkämpfe und Kompetenzrangeleien, die typisch für das Dritte Reich waren, trugen nicht dazu bei, ein einheitliche und effektive Sporterziehung zu gewährleisten. Bestes Beispiel sind hier das Reichserziehungsministerium und die Reichsjugendführung. Aber auch der NSLB, die SS und die Reichssportführung wollten in diesem Bereich Einfluß nehmen. Der Mangel an Übungsstätten, qualifizierten Lehrern und sportlicher Ausrüstung taten ihr Übriges. Auch die erst späte Einführung von Richtlinien hinterließen einen Raum, in dem viele die Sportausbildung nach ihren Wünschen auslegen konnten. Und nicht zuletzt führten die Vorbereitungen auf den Krieg und der Krieg selbst dazu, daß die Realität dem Anspruch nicht gerecht werden konnte. Die massive Beanspruchung von Turnhallen seit kurz vor dem Krieg, das Einziehen von Lehrern zur Wehrmacht und der kriegsbedingte Unterrichtsausfall wegen der Gefahr von Bomberangriffen machten den Schulunterricht und besonders den Sportunterricht fast unmöglich. Ein Merkmal dieser Zeit war auch die Vernachlässigung des Mädchensports. Er war immer im Rückstand, was die Herausgabe oder die Umsetzung von Richtlinien betraf. Ganz im Gegensatz zur Bedeutung der Gesundheit der werdenden Mütter. Auch hier sieht man wieder einen Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Als letztes sollte noch festgehalten werden, daß den Reformen der nationalsozialistischen Schule nicht eine pädagogische, sondern eine politische Motivation zugrunde lag. © Rüdiger Jörg, Vervielfältigung, Weiterverarbeitung, Veröffentlichung oder sonst. Nutzung nur mit Genehmigung des Autors. 5. Literaturverzeichnis: Bernett, Sportunterricht: Bernett, H.: Sportunterricht an der nationalsozialistischen Schule. Der Schulsport an den höheren Schulen Preußens 1933-1940, Sankt Augustin 1985. Bernett, Weg des Sports: Bernett, H.: Der Weg des Sports in die nationalsozialistische Diktatur. Die Entstehung des Deutschen (Nationalsozialistischen) Reichsbundes für Leibesübungen, Schorndorf 1983. Beyer, Weimarer Republik: Beyer, E.: Sport in der Weimarer Republik, in: Ueberhorst, H. (Hrsg.): Geschichte der Leibesübungen, Bd. 3/2, Berlin/München/Frankfurt a. M. 1981, 657-700. Denk, Schulturnen: Denk, H.: Schulturnen: Leibesübungen im Dienste autoritärer Erziehung, in: Ueberhorst, H. (Hrsg.): Geschichte der Leibesübungen, Bd. 3/1, Berlin/München/Frankfurt a. M. 1980, 325- 350. Größing, Pädagogische Reformen: Größing, S.: Pädagogische Reformen vor und nach dem Ersten Weltkrieg und ihr Einfluß auf Leibeserziehung und Schulsport, in: Ueberhorst, H. (Hrsg.): Geschichte der Leibesübungen, Bd. 3/2, Berlin/München/Frankfurt a. M. 1981, 641-656. Heymen, Wehrhaftigkeit: Heymen, N./Pfister, G./ Wolff-Brembach, I.: Erziehung zur Wehrhaftigkeit, in: Dithmar, R. (Hrsg.): Schule und Unterricht im Dritten Reich, Neuwied 1989, 169-185. John, Jahn 2: John, H.-G.: Leibesübungen im Dienste nationaler Bestrebungen: Jahn und die deutsche Turnbewegung. Teil II: Die Turnbewegung im deutschen Kaiserreich von 1871-1918, in: Ueberhorst, H. (Hrsg.): Geschichte der Leibesübungen, Bd. 3/1, Berlin/München/Frankfurt a. M. 1980, 278-324. Neumann, Jahn: Neumann, H.: Leibesübungen im Dienste nationaler Bestrebungen: Jahn und die deutsche Turnbewegung. Teil I: Von den Anfängen bis zur Reichsgründung, in: Ueberhorst, H. (Hrsg.): Geschichte der Leibesübungen, Bd. 3/1, Berlin/München/Frankfurt a. M. 1980, 257- 277. Pfeiffer, Turnunterricht: Pfeiffer, L.: Turnunterricht im Dritten Reich - Erziehung für den Krieg? Der schulische Alltag des Turnunterrichts an den höheren Jungenschulen der Provinz Westfalen vor dem Hintergrund seiner politisch-ideologischen und administrativen Funktionalisierung, Köln 1987. Scholtz, Erziehung und Unterricht: Scholtz, H.: Erziehung und Unterricht unterm Hakenkreuz, Göttingen 1985. Stachura, Rolle der HJ: Stachura, P.: Das Dritte Reich und die Jugenderziehung: Die Rolle der Hitlerjugend 1933- 1939, in: Bracher, K. D./Funke, M./ Jacobsen, H.-A. (Hrsg.): Nationalsozialistische Diktatur 1933-1945. Eine Bilanz, ND Bonn 1986. Quellen: Fricke-Finkelnburg, Erlasse und Richtlinien: Fricke-Finkelnburg, R. (Hrsg.): Nationalsozialismus und Schule. Amtliche Erlasse und Richtlinien 1933-1945, Opladen 1989. Hitler, Mein Kampf: Hitler, A.: Mein Kampf, München 511933. © Rüdiger Jörg, Vervielfältigung, Weiterverarbeitung, Veröffentlichung oder sonst. Nutzung nur mit Genehmigung des Autors. |