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Es war wieder einmal einer dieser dreckigen Tage, die Lenor so hasste. Der Himmel war wolkenverhangen und es lag der Gestank der nahegelegenen Gerberei in der Luft. Er trat aus der Tür in seinen Vorgarten. Ein sorgenvoller Blick traf seine weiße Wäsche, die frisch gewaschen, akkurat der Größe nach sortiert an der Wäscheleine hing.
Erst die Tennissocken, dann seine weißen Feinrippunterhosen, seine Hemden und zu guter letzt seine weiße Zipfelmütze, die er nachts immer aufhatte. Die Last der Sauberkeit lag schwer auf ihm seit dem Tod seiner Frau Clementine. Sie war wunderbar gewesen. Sie hatte alle guten Eigenschaften einer Frau vereinigt. Sie putzte und kochte, kümmerte sich um ihr Kind Kuschelweich und arbeitete nebenher noch in der Werbung. Eigentlich hatte er sich nach ihrem Tod nach einer anderen Frau umschauen wollen, aber nach mehreren Versuchen mußte er einsehen, daß es fast nur noch Schlampen gab, die seinen Ansprüchen von Sauberkeit nicht mehr genügten. Diese und ähnliche trübe Gedanken beschäftigten Lenor an besagtem trüben Tag. Deshalb bemerkte er auch erst jetzt, daß irgendetwas nicht so war, wie es sein sollte. Er blickte um sich. Wo war Perwoll??? Perwoll, sein Hund, der nicht neu war, sollte eigentlich irgendwo im Garten herumspringen und seine Wäsche bewachen. Der aber war nirgendwo zu sehen. Lenor wurde unruhig. Steckte da wieder diese Persil dahinter? Und kaum hatte er sich diese Frage gedacht, schon hörte er das Geräusch einer anfliegenden Granate. Instinktiv warf er sich zu Boden. Er rettet sich, aber nicht seine Wäsche. Die Dreckbombe explodierte direkt in seiner sauberen Wäsche. An der vormals weißen, sauberen, nach Frühlingsfrische riechenden Wäsche zogen sich lange Streifen einer braunen Masse herunter. Er dachte besser nicht genau darüber nach, was es war. Im Schutz seines Waschkorbes kroch er zu seinem Fleckenentferner und schoß zurück. Kampflos wollte er diesen Frevel nicht hinnehmen. Erst ziellos, bis er sie endlich entdeckte: Persil, die alte Schlampe. Nur weil seine Wäsche weißer war als ihre, weißer als weiß sozusagen, hatte sich zwischen ihnen ein Streit entwickelt, der nun wohl seinen Höhepunkt erreichen sollte. Plötzlich wurde er aber von einer anderen Seite beschossen. Hatte sie nun Verbündete, fragte er sich. Ein heftiges Trampeln ließ sich von hinter dem Hügel vernehmen. Scheiße, schoß es ihm durch den Kopf, sie hatte den Weißen Riesen dabei, und der war gerade dabei auf Kuschelweich zu schießen. Dieser fiel weiter unbeeindruckt in den Wäschekorb mit blütendweicher Wäsche, federte wieder heraus und viel wieder in die Wäsche, ganz so wie immer im Fernsehen. Kuschelweich federte wieder heraus, diesmal hatte er aber zwei 45er in der Hand und schoß aus der Hüfte. Der Rückschlag dieser zwei gewaltigen Waffen war so groß, daß er rückwärts gegen die Hauswand geworfen wurde, wo er auch gleich noch von einer Ladung Spe extra Tabs getroffen wurde. Er stöhnte nochmals auf und blieb dann ruhig liegen. Ein lautes Lachen folgte. Lenor kannte dieses Lachen nur zu gut. Es war der General, der nun mit seinem nach Desinfektionsmittel stinkendem Reiniger abspritzte. Die Lage war kritisch, kritischer als die Schlacht in Villa Riva oder gar in Villa Bacho. Wo blieben seine Verbündeten. Hatten sich seine Feinde unbemerkt an Ariel und Pril vorbeischleichen können oder noch schlimmer, hatte sie seine Verbündeten neutralisiert. Sollte das Land der Frühlingsfrische untergehen und von den Sommerfrischlern übernommen werden. Weit gefehlt. Auf einmal schoß irgendjemand von der Ecke seines Hauses mit Eiskugeln zurück. Natürlich mit Schokoladeneis, denn das gibt die häßlichsten Flecken. Endlich waren sie da, Ariel und Pril, und mit ihnen kam auch die Kavallerie, Tilly mit ihren Spülhänden. Nun ging es erst richtig los. In die eine Richtung flog Ketchup, in die andere Mayonnaise. Hier schlugen Megaperls ein, dort Eier. Calgon wurde abgeschossen und traf den General an seinen Flaschen. Dafür mußte Tilly eine Ladung Fairy Ultra einstecken und ruinierte sich dabei ihre Fingernägel. W5 wurde abgeworfen, Kür Fein zurückgeschoßen. Alle Möglichkeiten, Dreck zu machen, Verschmutzungen hervorzurufen, Flecken zu verpassen, wurden ausgenutzt und natürlich auch die ganzen Putz-, Spül- und Waschmittel, die es gab. Es roch nach Frühling, Sommerfrisch, Active, Meer, Algenduft, Citrus, Spearmint, Kraft und Männlichkeit gleichzeitig. Doch keiner konnte sich mit seinem Duft durchsetzen oder den Duft der anderen unterdrücken. Eine tiefe Stimme dröhnte einen Fluch. Sie hatten den Meister gestört. Meister Proper trat hinter einem Hügel hervor und sprach ein Machtwort. Ihm, dem Meister aller Putz- und Spülmittel wagte niemand zu widersprechen. „Ihr sollt euch nicht versündigen an der Reinheit und Sauberkeit. Nicht bekämpfen, sondern unterstützen sollt ihr euch und in Frieden miteinander und nebeneinander reinigen und duften.“ Somit war erst einmal der Frieden wiederhergestellt, aber wie lange, fragten sich die Zuschauer ängstlich vor ihren Fernsehern. (Dieser Text wurde erstmals veröffentlicht im Fonzie's Tribune Anfang 1998) |