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C. Aemilianus Berenicianus Maximus PDF Drucken
Geschrieben von DUEDA   
Freitag, 2. Februar 1996
Eine Interpretation der Inschrift CIL XII 3163 (= ILS 1168)

Hausarbeit zum Proseminar

Einführung in die römische Geschichte

bei

Frau C. Kramer, M. A.

von

Rüdiger Jörg

 1. Fachsemester (02.02.1996)

Interpretation der Inschrift CIL XII 3163 ( = ILS 1168 )

I. Fundort und Erhaltungszustand der Inschrift

Die Inschrift wurde in den alten Mauern der Stadt Nemausus gefunden.[1] Sie war Teil des Sockels einer Statue zu Ehren von C. Aemilius Berenicianus Maximus.[2] Der Stein hat die Maße 1,05m x 1m. An der rechten oberen Ecke ist ein Stück herausgebrochen. Dadurch fehlen in Zeile 1 und 3 vermutlich 2 Buchstaben, in den Zeilen 2, 4 und 5 jeweils 1 Buchstabe. Das untere Ende ist ebenfalls abgebrochen, so daß die Zeile 11 nur andeutungsweise gelesen werden kann. Pasch-Almar vermutet, daß sich an Zeile 11 noch weitere Zeilen anschlossen, die uns aber nicht mehr zur Verfügung stehen.[3] Die Inschrift selber ist bis auf die fehlenden Buchstaben und die unterste Zeile in gutem Zustand und gut zu lesen.

II. Die Laufbahn des Geehrten

Bei dem Geehrten handelt es sich um ein geborenes Mitglied des ordo senatorius. Dies läßt sich schon an dem Adjektiv laticlavius erkennen, das bei seinem Offizierstitel tribunus steht
(Zeile 8).[4] Denn die tunica laticlavia zeigte die Zugehörigkeit zum ordo senatorius.[5] Aemilius Berenicianus durchlief die typischen Ämter der senatorischen Laufbahn und beendete seine Karriere mit dem höchsten Amt, dem Consulat. Dieses Amt wird auf der Inschrift auch als erstes genannt. Es folgen die übrigen Ämter in umgekehrt chronologischer Reihenfolge.

Seine Laufbahn begann Aemilius Berenicianus mit den vorsenatorischen Ämtern und wurde zu Anfang Xvir stlitibus iudicandis. In dieser Funktion war er Richter in Prozessen, die die persönliche Freiheit oder Sklaverei betrafen.[6] Es folgten zwei militärische Ämter als tribunus laticlavius in der legio IIII Scythica, die zu dieser Zeit in Syrien stationiert war,[7] darauf bei der legio VII Gemina in Hispanien.[8] Danach bekleidete er sein erstes senatorisches Amt, die Quästur. Sein Titel war quaestor urbanus. Dies waren ursprünglich die Schatzmeister und Steuerbeamten des römischen Reiches, die sowohl die Einnahmen der Staatsgelder besorgten als auch die Ausgaben verwalteten.[9] Zu der Zeit aber, als Aemilius Berenicianus dieses Amt innehatte, beschränkten sich die quaestores urbani auf die Verwaltung jenes Teils des Staatsarchivs, das sich nicht auf das Rechnungswesen bezog.[10]

Die nächste Stufe des cursus honorum, die Ädilität oder das Volkstribunat, übersprang er. Durch die adlectio inter tribunicos, die er durch den in der Inschrift genannten divus magnus Antoninus erhielt, wurde ihm der Rang eines ehemaligen tribunus zuerkannt.

Er wurde nun praetor supremarum. Dieses Amt ist mit dem des praetor fidecommissarius gleichzusetzen,[11] welches die richterliche Gewalt in den Bereichen, die testamentarische Geschenke und Vermächtnisse betrafen, innehatte.[12] Danach nahm er eine prätorische Dienststellung als Statthalter in einer senatorischen Provinz an und wurde zum legatus pro praetore provinciae Asiae ernannt. Danach wurde er proconsul in der provincia Narbonensis. Nach Beendigung seines Dienstes wurde er in Rom als VIIvir epulonum in eines der großen Priestercollegien aufgenommen. Die Aufgabe des collegium XIIvirum epulonum bestand darin, die Festmahlzeiten der Götter auf dem Kapitol zu organisieren, speziell das epulum Jovis. Vermutlich wurden aber auch andere Festmahlzeiten, die in Verbindung mit besonderen Festspielen abgehalten wurden, von diesem Priestercollegium ausgerichtet.[13]

Aemilius Berenicianus beendete seine Laufbahn mit dem consulatus, vermutlich als consul suffectus.

Auffallend an seiner Karriere ist, daß er eine Stufe übersprang. Die adlectio inter tribunos zeigt, daß er von dem genannten divus magnus Antoninus gefördert wurde. Damit ist Kaiser Caracalla (211-217 n. Chr.) gemeint, der mit vollem Namen Imp. Caes. M. Aurelius Severus Antoninus Pius Aug. hieß, seit 213 n. Chr. gelegentlich den Beinamen Magnus führte und dem später, vielleicht schon unter Macrinus (217-218 n. Chr.), spätestens aber unter Elagabal (218-222 n.Chr), die consecratio (Vergöttlichung) als Divus Antoninus Magnus zuerkannt wurde.[14]

III. Datierung der Inschrift

Die Inschrift ist sicher auf die Zeit nach dem Tod Caracallas zu datieren, weil das Attribut divus vorher nicht in einer Inschrift erscheinen kann, da, wie schon oben erwähnt, die consecratio erst später erfolgte. Folglich kann die Inschrift auf die Regierungszeit des Macrinus, des Elagabal oder des Severus Alexander (222-235 n. Chr.) fallen. P. Leunissen[15] hält sowohl die Regierungszeit Elagabals als auch die des Severus Alexander für möglich. K. Paasch Almar[16] hält die Regierungsperiode von Kaiser Severus Alexander am wahrscheinlichsten.

IV. Mögliche Gründe für die Ehrung

Es ist offensichtlich, daß die Ehrung des Aemilius Berenicianus im Zusammenhang mit seiner Statthalterschaft in Gallia Narbonensis steht. Möglich wäre eine Bevorzugung der Stadt Nemausus in irgendeiner Weise durch den Proconsul. Vielleicht war Nemausus aber auch ein Wohnsitz des Aemilius Berenicianus und der Stolz der Bürger über diese Tatsache führte zur Errichtung dieser Statue. K. Paasch Almar ist sich sicher, daß Aemilius Berenicianus als patronus der Stadt geehrt wurde, was wahrscheinlich in der letzten Zeile der Inschrift gestanden habe.[17] Was allerdings der eigentliche Grund für die Ehrung war, kann allein aus der Inschrift nicht gesagt werden.


Bibliographie:

·      Georges, K., Ausführliches Lateinisch-Deutsches Handwörterbuch: Aus Quellen zusammengetragen und mit besonderer Bezugnahme auf Synonymik und Antiquitäten unter Berücksichtigung der besten Hilfsmittel, 2 Bd. (Hannover 1962 11).

·      Kienast, D., Römische Kaisertabelle: Grundzüge einer römischen Kaiserchronologie (Darmstadt 1990).

·      Klotz, Septemviri epulonum: RE II A,2 (1923) 1552f.

·      Kübler, Decemviri 3 (Decemviri stlitibus iudicandis): RE IV, 2 (1901) 2260-2265.

·      Leohard, R., Fideicommissum: RE VI, 2 (1909) 2272-2275.

·      Leunissen, P., Konsuln und Konsulare in der Zeit von Commodus bis Severus Alexander (180-235 n. Chr): Prosopographische Unersuchungen zur senatorischen Elite im römischen Kaiserreich (Amsterdam 1989).

·      Paasch Almar, K., Inscriptiones Latinae: Eine illustrierte Einführung in die lateinische Epigraphik (Odense 1990).

·      Ritterling, Legio: RE XII, 2 (1925), 1556-1563, 1630-1642.

·      Wesenberg, G., Praetor IV (Die Praetur unter dem Principat): RE XXII, 2 (1954), 1599-1622.

·      Wesener, G., Quaestor : RE XXIV,1 (1963), 801-827.



[1] CIL XII 3163.

[2] Paasch Almar, K., Inscriptiones Latinae: Eine illustrierte Einführung in die lateinische Epigraphik (Odense 1990),
256.

[3] Paasch Almar, K., Inscriptiones Latinae: Eine illustrierte Einführung in die lateinische Epigraphik (Odense 1990),
256.

[4] Paasch Almar, K., Inscriptiones Latinae: Eine illustrierte Einführung in die lateinische Epigraphik (Odense 1990),
257.

[5] Georges, K., laticlavius, in: Ausführliches Lateinisch-Deutsches Handwörterbuch: Aus Quellen zusammengetragen
und mit besonderer Bezugnahme auf Synonymik und Antiquitäten unter Berücksichtigung der besten Hilfsmittel
Bd. I (Hannover 1962 11), 576

[6] Paasch Almar, K., Inscriptiones Latinae: Eine illustrierte Einführung in die lateinische Epigraphik (Odense 1990),
250.

Kübler, Decemviri 3 (Decemviri stlitibus iudicandis): RE IV, 2 (1901) 2260-2265.

[7] Ritterling, Legio: RE XII, 2 (1925), 1556-1563.

[8] Ritterling, Legio: RE XII, 2 (1925), 1630-1642.

[9] Georges, K., quaestor, in: Ausführliches Lateinisch-Deutsches Handwörterbuch: Aus Quellen zusammengetragen
und mit besonderer Bezugnahme auf Synonymik und Antiquitäten unter Berücksichtigung der besten Hilfsmittel
Bd. II (Hannover 1962 11), 2126.

[10] Wesener, G., Quaestor : RE XXIV,1 (1963), 801-827.

[11] CIL XII 3163.

[12] Wesenberg, G., Praetor IV (Die Praetur unter dem Principat): RE XXII, 2 (1954), 1599-1622.
Leohard, R., Fideicommissum: RE VI, 2 (1909) 2272-2275.

[13] Klotz, Septemviri epulonum: RE II A,2 (1923) 1552f.
Georges, K., epulo, in: Ausführliches Lateinisch-Deutsches Handwörterbuch: Aus Quellen
zusammengetragen und mit besonderer Bezugnahme auf Synonymik und Antiquitäten unter Berücksichtigung der
besten Hilfsmittel Bd. I (Hannover 1962 11), 2442.
Paasch Almar, K., Inscriptiones Latinae: Eine illustrierte Einführung in die lateinische Epigraphik (Odense 1990),
251.

[14] Kienast, D., Römische Kaisertabelle: Grundzüge einer römischen Kaiserchronologie (Darmstadt 1990), 162f.

[15] Leunissen, P., Konsuln und Konsulare in der Zeit von Commodus bis Severus Alexander (180-235 n. Chr):
Prosopographische Unersuchungen zur senatorischen Elite im römischen Kaiserreich (Amsterdam 1989), 180f.

[16] Paasch Almar, K., Inscriptiones Latinae: Eine illustrierte Einführung in die lateinische Epigraphik (Odense 1990),
257.

[17] Paasch Almar, K., Inscriptiones Latinae: Eine illustrierte Einführung in die lateinische Epigraphik (Odense 1990),
256.

 

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Letzte Aktualisierung ( Samstag, 14. April 2007 )
 
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